Kleiner Lagebericht aus der Welt Islands

Wir sind wieder unterwegs! Unglaublich!

Island ist der Start unserer Reise durch die Welt. Vor der Abreise haben wir immer wieder gehört: „Aber da seid ihr doch schon gewesen!“ Ja! Und doch! Lernt man sich nicht immer besser kennen, wenn man sich häufiger besucht?

Deutschland stöhnt unter der Hitzewelle. Und wir sind im Kühlschrank unterwegs. Das ist eine treffende Beschreibung dieses wunderschönen Landes: Kühlschrank! Im Winter ist der zu, und es ist kalt und dunkel. Im Sommer steht er auf, und es ist kalt und hell!


Immerhin haben wir 9 Grad, als wir isländischen Boden betreten. Überall sieht man es aus der Erde dampfen, wenn man das Flughafengebäude verlässt. 

Das Land ist ja auch erst ein Augenzwinkern alt, wenn man es erdgeschichtlich betrachtet. Also wundert es auch nicht, dass die Geburtswehen Islands noch zahlreich erkennbar sind.

Während man sich bei uns an Stammtischen und in Kaffeekränzchen trifft, um Alltagserlebnisse auszutauschen, setzen sich Isländer in heißen Pools zusammen und plaudern. Der bekannteste ist wohl die „Blue Lagoon“, die übrigens auch an öffentliche Verkehrsmittel vom Flughafen aus angeschlossen ist, damit Reisende mit einem kurzen Stopover vor dem Weiterflug diese Annehmlichkeit nutzen können – WENN sie ein Ticket vorbestellt haben. Es ist nämlich echt voll, als wir dort ankommen. 


Die heißen Quellen werden durch diesen Massentourismus sicher noch weiter erhitzt. Hier tummeln sich Menschen aus der ganzen Welt im kobaltblauen Wasser, das vorher als Kühlwasser für eine Energiegewinnungsanlage genutzt wurde, bevor es den Weg in den Pool fand. Also Japan, China, Amerika, Deutschland … Alles trifft sich hier leicht bekleidet bei Wind und Wetter mit einem Cocktailglas in der Hand, um sich zu entspannen („if you‘re in Rome, do it like the Romans!“).


So eingestimmt, machen wir uns auf den Weg, das Land neu zu erkunden. Und es ist echt toll!

Da sind Wasserfälle, die sich schon kilometerweit vorher durch aufschäumende Gischt ankündigen. 



Und doch sind wir überrascht, wenn wir dann plötzlich vor dieser Naturgewalt stehen. Vulkane, Gletscher, Gletscherseen, Geysire… Wen wundert’s, dass die Isländer fest an Elfen glauben. Diese Landschaft ist bezaubernd, verzaubernd und schlicht zauberhaft. Bevor in Island ein Bauvorhaben angegangen wird, muss erst geprüft werden, ob eventuell Elfen das zu bebauende Gebiet bewohnen. Da kann es durchaus passieren, dass eine Straße verlegt werden muss, die sonst die Ruhe der Elfen stört. Das ist doch eine tolle Mischung aus Traum und Wirklichkeit, oder?




Die Aussichten, die sich immer wieder eröffnen, lassen uns aber mehr träumen. Die Landschaft scheint noch völlig ungeschliffen zu sein. Moos, das manchmal unwirklich grün erscheint, bedeckt die Felsen, die so aussehen, als hätten sie sich gerade aus der Unterwelt erhoben. Überall findet man den Gischtnebel der zahlreichen Wasserfälle und den Dampf der örtlichen Stammtischrunden. Ganz zu schweigen von den meterhoch aufschießenden Wassersäulen der Geysire.

Wen das noch nicht neugierig auf Island gemacht hat, den kann das Thema Tiere sicher überzeugen. Irgendwas ist doch in Island scheinbar immer einzigartig und faszinierend. Da wären als erstes die Island Ponys. 


Klar! Vor über 1000 Jahren haben die Isländer (bereits demokratisch) im Gesetz festgelegt, dass außer diesen Pferden keine weitere Rasse ins Land gebracht werden darf. So ist diese Pferderasse die älteste der Welt. Und das bedeutet auch heute: wenn ein Island Pony einmal die Insel verlassen hat, darf es nicht mehr zurückkommen. Man befürchtet, dass es eine Vermischung der Zucht gäbe. Uns erinnern die Tiere jedenfalls an den nächsten Frisörtermin, der Gott sei Dank noch auf sich warten lassen kann.


Und dann erst die Papageientaucher oder Puffins, die für uns eine Mischung aus Pinguin und Seevogel sind. Etwas unbeholfen watscheln sie über Land, und auch das Fliegen sieht nicht so elegant aus wie bei anderen Vögeln. Sie schlagen ihre Flügel etwa so schnell wie Fledermäuse. Aber optisch sind sie ein Hochgenuss mit ihren bunten Schnäbeln und den orangefarbenen Füßen.


Wir haben Glück, dass die Brutzeit vorbei ist und die Tiere sich auf den Abflug im August vorbereiten. Aber bis dahin sitzen sie an den Felsen direkt am Meer. Und an einem dieser Felsen kommt man den Tieren ganz nah. Unglaublich wie zielsicher sie vom Fischfang zurück an genau die Stelle des Felsens kommen, an dem sie ihre Höhle gegraben haben. Das Abendessen holen sie übrigens sehr ökonomisch. Mit übervollem Schnabel kommen sie angeflogen, worauf dann wiederum die Möwen warten, die ihnen ihr Abendessen und das für die Jungen einfach aus dem Schnabel klauen – unter lautem BUH – Rufen der Zuschauer. Und Buh scheint international zu sein, da sind sich Asiaten, Europäer und Amerikaner sehr einig. Ein echt harmonisches Gipfeltreffen, im wahrsten Wortsinn – und getwittert wird auch, aber von den Puffins.

 

Ein letztes zu den Papageientauchern: wenn die Jungen ihre ersten Flugversuche starten, das ist wohl EIN besonderer Tag, haben die Kinder in dem kleinen Ort rund um den Vogelberg schulfrei. Sie sind an diesem Tag mit Kartons zu sehen, in denen sie die Jungtiere einsammeln, die noch keine Flugreife haben.

Etwas unangenehme Tiere gibt es natürlich auch in Island: die Fliegen! Etwas unangenehm? Nein, lästig, ätzend – eine Plage! Aber in Island geht man sehr lässig damit um. Man setzt sich ein Fliegennetz über den Kopf und verrichtet sein Tagwerk. 


Und außerdem gibt es die ja nur im Sommer, also DIE paar Tage, da muss man gar nicht erst anfangen, sich aufzuregen. Habt Ihr kein Netz? Und ja, wir haben jetzt auch eins!

Dann noch das Thema Essen. Was bei uns der Sauerbraten ist, ist bei den Isländern Schafskopf. 


Und zwar genauso wie wir ihn auf der Weide komplett mit Körper gesehen haben, aber jetzt ohne Körper und gegrillt. 


Nee, nix für uns! Und vergammelter Haifisch! Um ihn haltbar zu machen, hat man ihn schon früher unter Steinen vergraben. Dort fermentierte er und stank wie die Pariser U – Bahn – Stationen! Auch eine isländische Delikatesse und auch nix für uns. Aber Skyr, der isländische Quark mit Blaubeeren und Sahne – ein Genuss! 


Übrigens: den Schafskopf haben wir nicht bestellt, das Bild habe ich zur genaueren Vorstellung für Euch aus dem Internet geladen.

Statt Chips zu knabbern, wird hier auf Trockenfisch gekaut. Überall entlang der Küste findet man Gestelle an denen mehr oder weniger vollständige Fische auf Trocknung und anschließenden Verzehr durch die Menschen warten, wenn die Möwen nicht schneller sind.



Es gäbe noch so viel mehr von Island zu berichten. Hauptsächlich aber ist es ein wunderschönes Land, das sich auf jeden Fall lohnt zu besuchen.

Und morgen geht es nun weiter nach Kanada!