Wie heißt eigentlich die weibliche Form von Truthahn??? – Truuuuuthuuuuuhn!!! Die wilden Truthühner begegnen uns hier an jeder Ecke. 


Wo sind die Truthähne eigentlich? Sind die denn schon alle in der Küche zur Vorbereitung auf das größte Fest der Amerikaner? THANKSGIVING? Das ist ja erst im November. Aber die Kanadier feiern Thanksgiving im Oktober. Vielleicht sind die Hühner ja von Kanada in die USA geflohen!?! Und im November müssen sie dann wieder die Seiten wechseln. Schlau! Und jetzt wird auch klar, warum wir keine Truthähne sehen! 

Ja, wir sind im tiefen Herbst angekommen. Die Farben leuchten unglaublich. Im Internet kann man nachlesen, wo die Blätter am intensivsten leuchten. Das machen wir allerdings nicht, sondern sind da, wo uns unser Plan hinstellt.

Aber wir halten Euch mal auf dem Laufenden, wo wir im letzten Bericht aufgehört haben.

Von der Route 66 aus sind wir nach Pennsylvania hochgefahren. Pittsburgh war da unser erstes Ziel. Schön ist die Stadt nicht grad, aber sie hat einen Magneten, der uns reizt: Heinz Tomatenketchup! Wie viele Tomaten sind eigentlich in einer Flasche Ketchup? Wir besuchen die Fabrik, die ein sehr interessantes Museum für Interessierte an Geschichte und Geschichten aus Pittsburgh bereithält. Aber wie viele Tomaten nun tatsächlich in einer Flasche sind, wissen nur 3 Verantwortliche des Betriebs. Jedenfalls begann die Geschichte des Heinz Tomatenketchup mit der Mutter von H. J. Heinz, die Meerrettich einkochte. Und diesen Meerrettich verkaufte der Sohn in durchsichtigen Gläsern, um die Kunden von der Reinheit des Produkts zu überzeugen. Und später erst kam der Erfolgsschlager Ketchup dazu. Eine riesige Ketchupflasche, aus über 400 einzelnen Flaschen zusammengesetzt begrüßt uns am Eingang. 


Was hat Mr. Trump mit Heinz Ketchup zu tun – außer, dass er ihn sicher zu seinen Mahlzeiten genießt? Der Großvater Trump und Mr. Heinz hatten die gleiche Großmutter in Hessen. Und irgendwie passt dann auch die Nachricht, dass Heinz Tomatenketchup in Israel nur Würzsoße heißen darf, weil zu wenig Tomaten im Ketchup sind. Das führt ja alles in einen Fragenmarathon, der nicht beantwortbar ist – aber sehr spannend! Auf jeden Fall besteht Ketchup bekanntermaßen zum größten Teil aus Zucker, was einen Riesenvorteil hat.


Williamsport, meine (Juttas) „alte Heimat“ aus den 80er Jahren war unbedingt auf dem Reiseplan. Alte Freunde wiedertreffen und in Erinnerungen schwelgen – wie schön!

Von Williamsport aus ist es nur eine kurze Entfernung bis nach Lancaster, Pennsylvania. Und das ist ein absolutes Muss auf unserer Tour! Hier ist alles so friedlich, idyllisch und ruhig – wenn man etwas abseits der Highways unterwegs ist. 


Lancaster County steht für Farmland, Outlet Shopping und für die AMISH. Und die Amish haben es uns angetan. Vor ca. 300 Jahren wurden sie ihrer Religion wegen verfolgt und mussten aus Deutschland und der Schweiz fliehen. Und diese Zeit ist für die Amish in vielen Bereichen stehen geblieben. Sie sind mit schwarzen Pferdekutschen unterwegs, sind nicht am Stromnetz angeschlossen, zahlen zwar alle staatlichen Abgaben, lehnen es aber ab, Leistungen zu erhalten. Sie möchten nicht von einer staatlichen Organisation abhängig sein, denn deshalb waren sie ja nun vor 300 Jahren geflohen. Es gäbe so viel über die Amish zu berichten, aber ein Ereignis schlägt uns regelrecht in seinen Bann.




2006 passierte es in Nickel Mines! Da ging ein Milchtruckfahrer, selbst Vater von 3 Kindern, bis an die Zähne bewaffnet in eine Amish – Schule (die Amish unterrichten ihre Kinder in einem eigenen One – Room – Schoolhouse mit einer Amish Lehrerin für Englisch, Rechnen … und was ein Amish noch für das Leben unter den „Engländern“ – so werden alle Nicht – Amish von ihnen bezeichnet – braucht). 


Hier schickte er alle Jungen aus dem Gebäude, fesselte die Mädchen und schoss 10 Mädchen (6 bis 12 Jahre alt) in den Kopf, bevor er sich selbst erschoss. 5 Mädchen starben, 1 Mädchen ist seitdem schwer behindert, und 4 Mädchen wurden wieder „gesund“. Diese Nachricht ist schrecklich, aber fast schon alltäglich zu nennen. Aber was dann passierte, das grenzt in unseren Augen an ein Wunder.

Noch am selben Tag gingen Angehörige dieser Kinder zu der Frau und den Eltern des Mörders um ihnen zu versichern, sie hätten dem Täter verziehen. Die Amish bestatteten ihre Mädchen und fuhren am nächsten Tag zur Beerdigung des Täters, und zwar so zahlreich, dass sie den Blick der vielen anwesenden Reporter blockierten. 


Es war so ein einmaliges Beispiel von „Vergebung“, dass es durch die Weltpresse ging.

Und wir konnten uns zufällig mit Betroffenen unterhalten, was einen tiefen Eindruck auf uns gemacht hat.


Ein ganz anderes Erlebnis haben wir auch in dieser Gegend. Eine Universität hier im Lancaster County mit Studiengang Kunst und Schauspiel studiert jedes Jahr zusammen mit Menschen aus der Umgebung Musicals ein. Unter anderem stand in diesem Jahr „Titanic“ auf dem Programm. Das Besondere? Den Eintrittspreis bestimmt jeder Zuschauer für sich, damit JEDEM die Gelegenheit gegeben wird, ins Theater zu gehen. Und das ganz Besondere? Es war grandios!!! Bühnenbild, Stimmen, Kostüme brauchen den Vergleich mit dem Broadway wahrlich nicht zu scheuen. Wir sind schlicht begeistert! Rundherum war der Besuch im Lancaster County ein Highlight unserer Reise.

Vor Wochen waren wir in Hannibal, Missouri im Geburtsort Mark Twains. Jetzt besuchen wir ihn noch einmal in Hartford, Connecticut. Hier lebte er im fortgeschrittenen Alter in einem Haus, das er ganz nach seinen Vorstellungen bauen ließ und das uns etwas an einen Schaufelraddampfer erinnert. 


Er war begeistert vom technischen Fortschritt und ließ als einer der ersten ein Telefon ins Haus einbauen und elektrischen Strom verlegen. Das Telefon benutzte er nicht, es war ihm nicht geheuer, und viel lieber schrieb er seine Nachrichten auf.

Und dann ein kultureller Höhepunkt ganz anderer Art! Wir sind beim Hühnerrennen in Hancock, Shaker Village. Presseaufgebot, Menschenmengen und großer Jubel, als der diesjährige Champion die Ziellinie (noch kauend) kreuzt. Denn ohne die Körner am Boden hätte dieses Huhn nicht einen Schritt vor den anderen gesetzt!



Entlang der Küste von Maine kommen wir zu einer Mega – Aussicht mit Leuchtturm. Bei untergehender Sonne ist das ein fantastischer Anblick.


Und hier in Maine gibt es auch einen ganz besonderen Event im Herbst. Das „Pumpkin – Festival“! Der größte Kürbis wird gekürt und in einer Parade durch die Stadt getragen. 


Weniger große Kürbisse säumen die Straße, sind aber vorher künstlerisch gestaltet worden. Und abgeschlossen wird das Fest durch ein „Pumpkin – Race“. Kürbisse werden ausgehöhlt und als Boote bei einem Rennen benutzt. 




Wenn das kein Touristenmagnet ist. Und einen Tag später sehen wir tatsächlich auch noch den beeindruckenden Weißkopfadler. Was für ein Anblick!


Vermont ist der nächste Stopp auf unserer Tour nach Norden. Eigentlich wollten wir hier den Indian Summer in all seiner Farbpracht erleben, aber den Höhepunkt hat er noch nicht erreicht. Hier und da ist er ganz zaghaft zu sehen. Es fehlen aber noch die kalten Nächte und die warmen Tage, um die Farben zur Explosion zu bringen. Die Menschen hier vertrösten uns auf „in ein paar Tagen“ – und die müssen es ja wissen. Aber die Pumpkins verschönern auch hier bereits die Landschaft.


Vermont hat viel Skurriles zu bieten, was wir ja lieben!

Da ist zum Beispiel Ben & Jerry’s Icecream Fabrik. Inzwischen ist dieses leckere Eis ja auch in Deutschland längst bekannt. Was wir allerdings nicht haben, ist der Friedhof für die Eiscremesorten, die beim Käufer nicht mehr gefragt sind. Den gibt es hier. Andächtig schreiten die Menschen von Grabstein zu Grabstein und erinnern sich daran, wie sie diesen oder jenen Geschmack genossen oder überhaupt nicht gemocht haben. Witzig ist es allemal!


Und dann ist Vermont bekannt für seinen Maple Sirup. Der ist aber auch lecker und passt fast zu jedem Gericht, ob Fisch, Fleisch oder Pfannkuchen. Wir schlemmen kanadisch! Im Frühjahr, wenn die Temperaturen nachts unter 0 Grad und tagsüber warm sind, werden die Ahorn – Bäume angezapft, denn dann steigt der Saft in den Baumstamm. Ein Baum gibt pro Saison etwa 40 Liter Saft ab. Daraus bekommt man durch Einkochen ca. 1 Liter Sirup. Also braucht man schon einen beträchtlichen Ahorn – Wald, wenn sich das Geschäft lohnen soll. Und das Einkochen DAUERT und fordert Geduld, so erfahren wir. Wir lernen, dass man den Sirup nach Farben sortiert. Je heller der Sirup ist, desto teurer ist er, desto früher wurde er gezapft und desto bekömmlicher ist er für den Menschen. Je länger mit dem Zapfen gewartet wird, desto mehr Inhaltsstoffe bilden sich und lassen den Saft kräftiger und nicht mehr so süß schmecken.


Wir sind in der Probierstube des Ahornsirup – Herstellers. Der hatte uns gerade auf sein Lieblingsprodukt hingewiesen, Sirup im Whiskey – Fass gereift, da stürmt diese Horde deutscher Touristen lauthals in die Stube herein, greift zu allen Produkten, die man freundlicherweise probieren darf und rückt den Whiskey – Ahorn gar nicht mehr raus. Nix zu machen! Wir räumen kampflos das Feld. Spaß haben wir allerdings, als eine Person aus dieser Gruppe mit einem Geldschein zahlen will, den die nette Dame an der Kasse nicht annimmt, „der sein noch aus Bürgerkriegszeiten und das sei ja nun schon eine Weile her.“

Einige Kilometer weiter kommen wir zur Teddybär – Fabrik. Vor 35 Jahren kam der Vater eines kleinen Jungen beim Spielen mit dessen Teddybär auf die Idee, man solle doch Bären herstellen, die nicht in China, Vietnam oder Deutschland gemacht wurden, sondern in Vermont. Er setzte sich an die Nähmaschine und nähte den Prototypen für die kommenden Teddys. Auf dem Markt verkaufte er die Produkte vom Handkarren aus, und die Nachfrage stieg. Er verschickte die Teddys und achtete dabei darauf, dass die Verpackung ein Loch hatte, damit der neue Spielgefährte auch Luft bekam. Das kam und kommt bei den Kunden an. Inzwischen werden jährlich über 150.000 Bären mit lebenslanger Garantie hergestellt. Sollte ein Bär doch einmal krank werden, sei es, dass der Hund das Stofftier zum Fressen gerne hatte, sei es, dass sein kleiner Besitzer es angemalt hat oder, oder … dann wird dieser Patient einfach eingeschickt und hier kostenlos so lange behandelt, bis er wieder nach Hause kann. Auf einer Führung durch die Fabrik sehen wir natürlich auch das Krankenhaus. Wir sind begeistert feststellen zu können, dass der Kranke sogar mit Honig – Infusionen auf Vordermann gebracht wird. Ein einziger Spaß! Humor haben sie, die Vermonter! Und Fantasie!


Wir haben nichts von ihm gelesen, aber auf dem Weg durch Bangor, Vermont, weist man uns sofort daraufhin, wir müssten das Haus von Stephen King besuchen. Gut, dann? Wo ist es? Dass er seinen Büchern einen Touch von Horror beimengt, war uns klar, dass dieser Touch sich aber auch schon am Eingang zu seinem Haus zeigt, war schon eigentümlich! 


Weiter sind wir aber auch nicht gekommen. Mit vielen anderen Menschen stehen wir nun vor dem Tor und zücken sofort den Fotoapparat, als ein Mann aus der Haustür kommt!!! Dabei war es nur der Anstreicher – und der hatte sichtlich Spaß an seinem Auftritt!

Und dann ist er da, der Indian Summer in den Neu England Staaten. Ein Hochgenuss! Unbeschreiblich! Da sprechen die Bilder für sich!





Ja, und dann sind wir fast schon wieder in Montréal, wo wir unser – inzwischen liebgewonnenes – Mietauto abgeben müssen und zu neuen Horizonten aufbrechen. Aber erst haben wir noch einen Tag Zeit, den wir in den Laurentides (Naherholungsgebiet der Montréaler) verbringen – auf der Jagd nach den Farben des Indian Summer. Aber hier ist der Höhepunkt schon überschritten. So finden wir aber noch 2 Bilder, die uns doch zum Nachdenken anregen:

Während wir in Québec das Schild mit der Aufschrift „Saint Créme“ vor einer Eisdiele gefunden hatten, finden wir in den Laurentides dieses Bild!!??


Wie hässlich wäre dieser Baum ohne Runzeln und Falten? So ist er in Würde gealtert! Das ist unser Motto! Und so altern wir jetzt mit Freude weiter an der Westküste der USA.


Wir wünschen Euch allen nur das Beste und melden uns wieder!