Ja, dieses Mal haben wir wirklich nicht lange auf uns warten lassen. Aber dem Westen besuchten wir vergleichsweise auch nur kurz. Bevor es morgen nach Neuseeland geht, wollen wir schnell berichten, was wir hier erlebt haben.
Vom herbstlich kalten Osten kamen wir in einen überraschend warmen Spätsommer nach San Francisco. Die Luft war unglaublich klar, Temperaturen ca. 25 Grad, kurz traumhaftes Wetter, sodass auch die Golden Gate Bridge deutlich von oben nach unten und von rechts nach links zu sehen war. Plus, es waren wenig Touristen unterwegs. 


Unser Ziel war dieses Mal aber nicht San Francisco selbst, sondern die vielen schönen kleinen Highlights in der Umgebung – wie das Zuhause von Charlie Brown und seinen Freunden. 


Charlie Brown, Lucy, Snoopy und der Rest der Gang sind ja nicht nur das Team der größten Philosophen der Welt, sondern waren zudem Gegenstand von 2 erfolgreichen Musicals – und eins davon, „Snoopy“, möchte ich ja demnächst, wenn das Leben wieder zum Alltag geworden ist, an der Schule in Angriff nehmen. Es ist schon erstaunlich zu erfahren, dass Charles M. Schulz, der Erfinder der „Peanuts“, aus einem kleinen Comic – Strip über ein paar alltägliche Geschichten, die kleine Kinder erleben, zu einem so erfolgreichen Zeichner wurde, dass Soldaten in Vietnam sich Snoopy auf die Helme malten und die Astronauten von Apollo 10 ihre Kommandokapsel Charlie Brown und ihre Mond-Landefähre Snoopy nannten. Übrigens verfügte Schulz, dass nach seinem Tod kein Mensch seine Peanuts weiterzeichnen dürfe. Und so ist es! Und wir genießen all die so komischen, tiefsinnigen und erfolgreichen Cartoons in seinem großen Peanuts Center. Und zu Mittag konnten wir einen Hotdog, serviert im Hundenapf, in Charles Schulz‘ Eisarena – Cafe genießen. 


Mehr „Snoopy“ geht nicht! Doch! Der Verhüllungskünstler Christo hat es sich nicht nehmen lassen, Snoopy’s Haus zu einzupacken. Was Snoopy darüber dachte ist nicht so recht überliefert!


Und wenn man schon mal in der Nähe ist, MUSS man unbedingt bei Jack London, dem – in seiner Zeit – berühmtesten Schriftsteller, vorbeischauen. In Glen Ellen verbrachte er die letzten Jahre seines aufregenden Lebens. Angefangen hatte er als Zeitungsjunge. Dann verdiente er sein Geld als Arbeiter in einer Konservenfabrik, in einer Wäscherei, als Robbenfänger, Austernfischer, Goldgräber … Bis er seine ganzen Lebenserfahrungen in Romanen, Essays … aufschrieb. Was für ein Leben! 1916 war sein Leben 40jährig vorbei. Und in diesem Farmhaus in Glen Ellen, das wir besuchten, ist er gestorben. Die komplette Einrichtung zeugt von all seinen Abenteuern, und man kann sich nur schlecht losreißen. 



Zudem riecht es überall wie im Badehaus. Das Anwesen ist inmitten eines Eukalyptuswaldes. Und? In unmittelbarer Nachbarschaft zu den Weinbauern Kaliforniens!!!
Jaja, der kalifornische Wein ist schon lecker! (Bilder fehlen – NATÜRLICH)
Auf dieser Tour treffen wir übrigens einen Specht, der sich ganz ökonomisch verhält: er sammelt Eicheln ein und steckt sie in Löcher, die er vorher gebohrt hat. 


Ihm ist es völlig egal, dass das Holz, das er dafür benutzt zu einem Haus gehört, das für die Kalifornier von historischer Bedeutung ist: das Wohnhaus von General Vallejo!!! Hinzu kommt, dass diese gebohrten Löcher später dazu dienen, die Eicheln festzuhalten, wenn der Specht sie öffnen will. Sehr klug, wenn auch wenig geschichtsbewusst!
Hat sich schon mal jemand Gedanken gemacht, wie das ist, wenn man stundenlang unterwegs ist und plötzlich ein unhaltbares Bedürfnis hat und weder Gebüsch, noch ein sonstiger Zufluchtsort in der Nähe ist? In Kalifornien ist das kein Thema. Da ist man sehr offen!


Der Redwood, Kaliforniens Staatsbaum, ist ein weiteres MUSS auf unserer Reise durch dieses Gebiet der USA. Es sind die höchsten lebenden Bäume der Welt. Wenn man unter einem solchen Wunderding steht, kommt man sich schon sehr klein vor. Wir wandern durch den Redwood Forest und merken, dass auch die anderen Besucher sehr andächtig und still zwischen den Mammuts herumwandern. Das Licht, der Geruch, der weiche Boden – fast ist der Aufenthalt hier meditativ und dabei so nah an den riesigen Metropolen der Welt: San Francisco und Los Angeles.


Und Los Angeles ist unser nächstes Ziel. Über eine der schönsten Straßen der Welt, die Route 1, fahren wir entlang der Westküste Richtung Süden. Steil am Abhang windet sich die Küstenstraße immer am Meer entlang, und man weiß gar nicht, wo man überall anhalten soll, weil ein Blick schöner ist als der nächste. 


Und über uns kreist ein Kondor. Zugegeben das Bild ist etwas weit weg und ungenau, aber immerhin ist der Vogel riesig und seeeehr hoch über uns!


Schließlich hat so ein Vogel eine Spannweite von 3 Metern. Dieses Tier jetzt wieder in Freiheit zu sehen, ist ein Riesenerfolg des Erhaltungsprogramms für die Kondore. 1987 wurde der letzte freie Kondor eingefangen. Wie gut, dass es noch weitere 27 Vögel gab. So konnten sie wieder aufgezogen werden, und man zählt jetzt wieder 270 Kondore in Freiheit. Und einen davon erleben wir über uns.
In Monterey machen wir einen Zwischenstopp auf unserem Weg nach Süden. Und auch hier haben wir Glück und sehen Otter in der Bucht. 


Seelöwen gibt es hier en masse. Passt man nicht auf, stolpert man glatt über einen, der auf dem Steg mit all den herrlichen Restaurants liegt, die einem mit den wunderbarsten Pröbchen zum Verzehren einer Clam Chowder, einer dicken Fischsuppe, verführen wollen. Wir widersagen, denn wir haben genug Pröbchen gegessen, dass es gut für den Lunch reicht.


Ein Touristenmagnet an der Westküste ist das Hearst Castle, das sich der Zeitungsmogul William Randolph Hearst in den 20er Jahren für sich und seine Freundin, eine Schauspielerin, bauen ließ. Es sollte eigentlich ein einfacher Bungalow mit Übernachtungsmöglichkeiten für den ein oder anderen Gast werden. Nun, daraus wurde dann ein Schloss mit 3 Gästehäusern, über 150 Zimmern, zwei Pools, einem riesigen Garten, einem Kino, einem eigenen Zoo … Aus der ganzen Welt ließ Herr Hearst Antiquitäten und Kunstwerke kommen, um seine Gäste: von Charlie Chaplin über Cary Grant bis hin zu Charles Lindbergh, Winston Churchill oder Joan Crawford zu erfreuen und zu beherbergen. Unglaublich, welcher Luxus! 




Mit einem Bus wird man 15 Minuten auf den Berg gefahren, um sich einen nur kleinen Teil des Anwesens anzusehen. Bei der Gelegenheit erfahren wir, dass genau an diesem Wochenende, an dem wir da sind, Tickets gekauft werden können, um am Abend im Schwimmbad zu baden. Preis: 1500,- $, und das Wasser ist nicht mal beheizt und auch nicht durch das Wetter aufgeheizt, da der Pool neue Fliesen bekommen hat. Das Wasser ist erst seit ein paar Tagen im Pool. Gut, das wissen die – nach Erfrischung lechzenden – Gäste vielleicht nicht??? Und wer 1500 $ für ein Badevergnügen ausgeben kann, bezahlt hinterher sicher gerne einen Aufenthalt in einem guten Sanatorium gegen Erkältungserkrankungen!
Bei der Tour durch das sagenhafte Anwesen erfahren wir auch, dass Herr Hearst trotz all der spanischen Gobelins, italienischen Kamine und Kerzenleuchter aus mittelalterlichen Kirchen im Speisesaal nicht auf seine amerikanische Tradition beim Essen verzichten wollte: Tomatenketchup von Heinz! Aber —– mit silbernem Verschluss!!!


An der Küste um San Simeon haben sich die Seeelefanten niedergelassen. Sie kommen immer wieder zu Hunderten. Es stört sie überhaupt nicht, dass da Menschen stehen, die sie beobachten. Zuerst dachten wir, das sind Kadaver, weil sie sich so überhaupt nicht bewegten, bis dann der ein oder andere „Kadaver“ sich mit Sand einstäubte gegen die Sonne oder was auch immer. Tatsächlich! Seeelefanten, die nur da liegen! Welch ein Anblick!


Und dann sind wir da, in Los Angeles, genauer in Hollywood. Wen man da so alles findet auf den Straßen der Stars und Sternchen. Auch den Friedhof besuchen wir. Denn, wo kann man den Stars näher sein, als da! Und überall hören wir kleine spannende Geschichten dazu. Beispiel Marilyn Monroe: sie hat beim Hinterlassen ihrer Hand- und Fußabdrücke ihren Ohrring abgenommen und ihn an die Stelle des I – Punktes auf Marilyn gesetzt. Es wird natürlich auch sofort vermittelt, dass es nicht „the girls best friend“, ein Diamant, ist, sondern nur ein Glasohrring.


Man muss also nicht mit der Spitzhacke ran. Das ist einem ganz anderen Platz vorbehalten. Nachdem ein Straßenkünstler zunächst den Stern von Donald Trump EINGEMAUERT hatte („let’s build a wall!“), danach den Stern vergitterte, ist nun jemand viel radikaler vorgegangen und hat diesen Stern mit einer Spitzhacke malträtiert. 


Aber gut, der Stern ist – so gut es ging – repariert worden. So haben wir ihn vorgefunden. 


Und dann gibt es noch die Stars, deren Grabsteine mit Küssen überdeckt werden. Rudolph Valentino – ein Star aus der Zeit, als die Bilder Laufen lernten, hat immer frische Rosen und Lippenstiftküsse auf der Grabplatte. 


Auch Marilyn Monroe kann da mithalten. Ihren Grabstein schmücken nicht nur so viele Lippenstiftküsse, dass der weiße Marmor sich in pinken Marmor verwandelt hat, nein, der Herausgeber des Playboys hat sich in das Grab neben Marilyn eingekauft. Und so ist es. Nach seinem Tod 2017 wurde er hier bestatten.


Nach all den Geschichten in den letzten 3 Monaten war für uns jetzt die Zeit der Pause gekommen. Nichts tun, ausruhen, sacken lassen! Den Ruhepunkt fanden wir in der Nähe von Phoenix, Arizona. Dabei wohlig warme Temperaturen, nicht zu heiß. Viele Kakteen!
Um dahin zu kommen, haben wir den Weg durch den Joshua National Park gewählt, eine wunderschöne Wüstenlandschaft mit Felsformationen, Joshua Bäumen und Kakteen. 

 
Ja, und dann Pause mit Kaktus! Aber die Pause mussten wir uns erst noch verdienen. Durch einen Sandsturm so dachten wir, fuhren wir auf Phoenix zu. Aber es waren die Auswirkungen des Hurricans, der in Mexico getobt hatte. Egal, was es war, es war beängstigend und machte den hellen Tag zur Nacht.


Am Morgen danach und die nächsten 4 Tage war die Sonne aber wieder da, als wäre nichts gewesen und wir hätten die Welt umarmen können.


Und dann war es schon fast vorbei, das Abenteuer Westküste! Einen Abstecher machten wir nach San Diego. Niemals zuvor haben wir so viele Junkies auf einen Haufen gesehen – und vor allem nachts gehört. Unser Hotel, was zugegebenermaßen nicht das beste war, hatte Eingänge, die völlig verbarrikadiert waren. Wir fühlten uns schon wie im Gefängnis und wunderten uns ETWAS. Aber nachts war diese Vorsichtsmaßnahme dann völlig verständlich für uns. Was für ein Geschrei!
San Diego um Halloween herum, ein echtes Erlebnis! Man feiert hier den „Dias de los Muertos“, an dem man – wie bei uns – der Toten gedenkt. Das macht man aber etwas anders als bei uns. Man errichtet Altäre mit persönlichen Gegenständen oder Lieblingsessen der Verstorbenen, kommt mit der Familie zusammen und feiert das Leben des Menschen, der nicht mehr da ist. Ein buntes Fest mit viel Musik, skurrilen Darstellungen und Fröhlichkeit. FIESTA!!!


Und damit sich der Kreislauf schließt, fuhren wir auf die Insel Coronado zum legendären Hotel „Del Coronado“. Hier drehte Marilyn Monroe ihren so erfolgreichen Film „Manche mögen‘s heiß“.


Den Abschluss bildet ein absolutes Highlight: der Besuch der Disney Concert Hall in Los Angeles. 



Die Philharmoniker spielen Mahler’s 5. Sinfonie. Das ist nicht mehr zu toppen. Deshalb machen wir uns jetzt auf den Weg nach Neuseeland. 13. Stunden Flugzeit! Puh!
Von da melden wir uns wieder und grüßen Euch alle ganz herzlich!!!