Da wir inzwischen nach einer ganz schrecklichen Überfahrt mit der Fähre auf der Südinsel angekommen sind, ist es wohl wieder Zeit für einen Zwischenrapport!

Von vorne angefangen: wir hatten so ein großes Glück, Kalifornien zur richtigen Zeit verlassen zu haben. Wir sind heute noch heilfroh darüber, denn genau an den Orten, an denen es so furchtbar gebrannt hat, sind wir 4 Tage vor dem Ausbruch des Feuers noch gewesen. Die schrecklichen Bilder haben wir im Fernsehen verfolgt.

Zu der Zeit waren wir in unserem „Baumhaus“ in Auckland – mitten im Wald, umgeben von den wunderbaren kuriosen Vögeln Neuseelands. Hier merkte man gar nicht, dass wir eigentlich in einer Großstadt waren.

Kommt man nach Auckland, fällt schon am Flughafen die Kunst und Kultur der Maori, der ersten Bewohner Neuseelands, ins Auge: Ein holzgeschnitztes Durchgangstor mit einer – die Zunge herausstreckenden – Figur und das freundliche „haere mai“ (Willkommen) lassen uns sofort wissen, wir sind angekommen in einem der schönsten Länder mit den ungewöhnlichen und so hintergründigen  Traditionen.

Wir holen unseren Mietwagen ab, der schon über 180.000 km hinter sich hat, aber uns hoffentlich noch sicher über die Inseln fährt. Bei der Mietwagenfirma „Jucy“ ist schnell klar, dass wir eigentlich nicht unbedingt zu ihrem Klientel gehören: Sitzkissen statt Stuhl im Büro, Rucksäcke stapeln sich auf der Wiese vor der Mietstation und – unsere Koffer, aber … Jucy ist preiswert, überaus freundlich und hat wunderbare Nummernschild – Fassungen.


Also Auckland, die auf Vulkanen gebaute Stadt, in deren Mitte Schafe grasen. Natürlich haben wir auch die Stadt Auckland besucht, aber viel schöner waren da ganz andere Orte rings um die Großstadt herum, wie z. B. der Strand, an dem der preisgekrönte Film „Das Piano“ gedreht wurde. 


Am Parkplatz zum versteckten Eingang auf den Strand zu steht ein maorischer Wächter. 


Man wandert an wunderschönen Bäumen vorbei und kommt dann an diesen sagenhaften Strand, der riesig breit und menschenleer ist. Nur vereinzelte Strandläufer finden sich hier.




Und dann, einige Meter weiter, ist ein ganz bezaubernder Wasserfall! Kein Wunder, dass die Filmemacher sich immer häufiger auf diese unwirklichen Landschaftsbilder Neuseelands konzentrieren.


Und dann ist da ein ganz besonderer Strand bei Auckland, an dem eine Tölpelkolonie zu finden ist. Auf einem Felsplateau nisten Tausende dieser eleganten Flieger, die ungefähr einen Meter groß sind. Und nicht nur auf dem Felsen nisten sie, sondern inzwischen kommen sie den Menschen ganz nah an den Aussichtsplattformen. Wir konnten sie ganz genau unter die Lupe nehmen, denn sie saßen unmittelbar neben dem Besuchersteg. Das Schauspiel, das sie liefern, wenn sie sich begrüßen, ist absolut sehenswert. Das Highlight dieser Vogelbeobachtung ist aber ein Sturzflug der Tölpel. Dabei stürzen sie aus einer Höhe von etwa 30 Metern in die Tiefe, legen die Flügel an und können ihre Beute bis zu 30 Metern Wassertiefe jagen. Übrigens sind sie absolute „Dickschädel“. Den Sturz aus so großer Höhe auf die Wasseroberfläche muss so ein Kopf erstmal aushalten. Wir fanden es sehr erstaunlich, wie die Vögel erstens einen Landeplatz zwischen diesen übervölkerten Nistplätzen finden –  und zweitens wie sie ihren Partner bei den völlig identisch aussehenden Fliegern erkennen konnten.


Sie heißen übrigens „Tölpel“ wegen ihres unbeholfenen Ganges, was aber bei den großen Füßen überhaupt kein Wunder ist. Ist doch komisch, dass man sie nicht nach ihrer exzellenten Flugfähigkeit benennt, sondern nach dem Gang, der gar nicht unbedingt zu ihrem Repertoire gehört. Typisch, oder? Hätte man sie nicht „Pirouettenflieger“ oder „Pfeilflieger“ nennen können? Wenn diese Vögel ihre Flügel an den Körper legen und zur Jagd ansetzen, sind sie für uns PFEILFLIEGER.

Auf der Nordinsel gibt es die imposanten Kauribäume, die riesig groß werden und kerzengerade wachsen. Die ältesten sind 2000 Jahre alt und haben einen Umfang, der mindestens 5 Menschen braucht, um sie zu umfassen. 


Leider gibt es nur noch sehr wenige. Mit der Besiedlung durch die Europäer wurden die Bäume in großer Zahl gefällt für den Bau von Häusern, Zäunen, Fässern und was man sonst noch alles aus Holz bauen kann. Und das Harz dieser Bäume nutzte man für die Herstellung von Linoleum, Gebissen und weiteren, dem Menschen wichtigen Produkten. Die Fehler von damals hat man eingesehen und ist jetzt dabei Kauribäume zu schützen, sowohl die Setzlinge als auch die „alten“ Zeitzeugen.

Unsere erste richtige Pause von allen Eindrücken, die wir in den letzten 4 Monaten gesammelt haben, machen wir auf der Coromandel – Halbinsel im Norden Neuseelands. Schließlich muss der Geist auch irgendwann einmal zur Ruhe kommen. Und die Wäsche muss gewaschen werden. Und überhaupt: Sendepause.

Obwohl – auch hier bewundern wir die üppige Natur. So ein Grün! 



Farnbäume, die mindesten 3 Meter in die Höhe wachsen, Strände, die leer und so schön sind und die Vögel, die uns völlig unbekannte Lieder singen. Der Tui z. B.  würde bei uns die Charts stürmen. Er hat faszinierende Gesänge, fliegt keineswegs lautlos, man hört sein geräuschvolles Flattern schon von Weitem, und er sieht dabei sehr auffallend aus.


Uns fällt auf, dass sich offenbar die Stationen mit Bienenvölkern sehr vermehrt haben. 


Das spricht für die Meldung, die wir dieser Tage gelesen haben, dass der Export von Manuka – Honig in den letzten Jahren sprunghaft angestiegen ist. Manuka oder Südsee – Myrthe ist ein Strauch. Dem Honig, den die Bienen daraus produzieren, wird eine hohe antibakterielle Wirkung nachgesagt. Maori setzen ihn schon seit Jahrhunderten gegen Entzündungen und Infektionen ein. Ed Sheeran ölt damit angeblich seine Stimme, und wir essen ihn hier natürlich auch. Mal sehen, ob da noch andere Karrieren für uns möglich sind???

Im Norden der Nordinsel gibt es einen für die Maori ganz wichtigen kulturellen Ort, der zudem auch landschaftlich wunderschön ist: Cape Reinga, an der nordwestlichen Spitze gelegen. 


Von hier, so glauben die Maori, verlassen die Seelen der Verstorbenen Neuseeland und wandern zu ihrem Ort der Ahnen, Hawaiki. Und tatsächlich hat dieser Ort etwas Mystisches. Der Wind, der hier recht stürmisch weht, lässt uns glauben, dass die Seelen, begleitet durch Gesang, nach Hawaiki entschwinden.

Da wir schon gerade bei der Tradition der Maori sind: die Stadt, die von deren Traditionen lebt, ist Rotorua. Und hier wollten wir ein Hangi erleben, so nennt man das traditionelle Kochen der ersten Bewohner Neuseelands. In Körben werden Fleisch, Gemüse, Kumara (die Süßkartoffeln) und Fisch in ein Erdloch versenkt, mit nassen Tüchern bedeckt und gegart. 



Wie? Na, mit der Erdwärme, denn hier ist es direkt unter der Erdoberfläche sehr warm. Rotorua ist bekannt für seine blubbernden Schlammlöcher, Geysire und seine heißen Quellen. Energiekosten haben die Menschen hier nicht. Da sorgt Mutter Erde für seine Bewohner. Und so kommen wir auch in den Genuss des dampfgegarten Essens. Vorab allerdings erleben wir das Powhiri, die Willkommenszeremonie, bei der bestimmte Rituale eingehalten und sehr ernst genommen werden. Dazu lassen die Maorimänner ihre  Augen rollen, strecken die Zunge heraus und schneiden furchtbare Grimassen. 


Erst wenn das Friedensangebot, in diesem Fall ein Farnblatt, von den Gästen angenommen wurde und der offiziell gewählte Vertreter der Gäste mit dem Häuptling der Maori den Hongi ausgetauscht hat, dürfen die Gäste das Dorf betreten. Beim Hongi werden die Nasen leicht gegeneinander gedrückt und der Atem ausgetauscht. Hat man dann gemeinsam gegessen, gehört man direkt zur Familie. Diese Begegnung war unglaublich beeindruckend. So lernten wir doch eine ganze Menge dazu: z. B. dass, während die Männer ein Tattoo über das ganze Gesicht tragen, auch Frauen ein Gesichts – Moko, also ein Gesichts – Tattoo haben. 



Allerdings befindet sich das nur am Kinn und an den Lippen als Symbol für den ersten Atem eines Neugeborenen. Zum Abschluss des Abends waren wir dann noch Zeugen eines Haka, dem Kriegstanz der Maori, der wirklich ganz erschreckend, spannend und beeindruckend ist. Berühmt wurde der Haka übrigens durch die neuseeländische Rugby – Nationalmannschaft. Wenn da gestampft, geschrien, Grimassen gezogen werden – und das im absoluten Gleichklang, dann schreckt das den Gegner mit Sicherheit ab und verschafft dem Team eine gehörige Portion Respekt.

Die heißen Quellen nutzten die Menschen schon immer auch für die Gesundheit. Rotorua wurde gerne von englischen Touristen schon vor über 150 Jahren wegen seiner Thermalbäder besucht. Die ganze Stadt ist eingehüllt in Dampf und Schwefelgeruch. Zu jeder Zeit kann sich überall die Erde öffnen und den Blick ins heiße Innere freigeben. Auf die Frage, ob es nicht beängstigend ist, so nah an der heißen Erdoberfläche zu leben, bekamen wir ein energisches „Nein! Wir haben es doch gut: immer warmes Wasser, Kochgelegenheiten überall und jederzeit auf der Straße und dann noch die relaxenden warmen Bäder.“ Wenn’s denn nicht zu heiß ist! Denn nur einige Kilometer hinter Rotorua ist ein Nationalpark, in dem das Wasser in den Erdlöchern regelrecht kocht. Schön anzusehen ist es aber allemal.


Rotorua bietet auch Gelegenheit, die Erfahrung zu machen, wie die Welt aus der Sicht eines Tuataras ist, einer Echse, die es schon gab, als Dinosaurier die Erde bevölkerten. Und die Sicht ist phänomenal. Nach vorne gucken, nach hinten sehen! Wie schön!


Womit wir bei den Tieren wären. Einzigartig ist der Kiwi, der fast nie zu sehen ist, so selten ist er geworden. Außerdem ist er nachtaktiv. Aber auch hier bietet Rotorua dem Touristen Außergewöhnliches! In einem Nachthaus, das dem nationalen Aufzuchtzentrum der Kiwis angeschlossen ist, kann man sie sehen. Mit ihrem langen Schnabel, dem fellähnlichen „Federkleid“ und den großen Füßen ist der Kiwi mehr als bemerkenswert. Laut schniefend und prustend marschiert er, sich auf seinen Schnabel stützend, durch das Blätterwerk des Nachthauses. Schniefen und Prusten deshalb, weil er seine Nahrung im Erdreich riechen muss.


In Inkubatoren werden die Kiwi – Eier ausgebrütet. Sie bleiben danach so lange in der Aufzuchtstation, bis sie 1 kg schwer sind. Dann werden sie in die Freiheit entlassen. Erst dann haben sie eine echte Chance gegen ihre Feinde: Wiesel, Ratten, Opossums und Hunde.

Uns wird ein Star unter den Kiwivögeln vorgestellt: Tihei. Tihei hat einen berühmten Taufpaten, der ihm erst vor wenigen Tagen seinen Namen gab. Prinz Harry taufte das Tier bei seinem Besuch in Neuseeland „Niesen“ oder besser auf Maorisch „Tihei“.

Eigentlich verband man beim Thema „Tiere und Neuseeland“ das Schaf mit dem Bild des Inselstaates. Ja, die gibt es zwar immer noch, aber inzwischen hat sich das Bild doch stark gewandelt. Nicht mehr nur Schafe sind auf den Weiden zu finden, sondern in fast gleicher Anzahl grasen hier jetzt Kühe und auch Rotwild. Das Rotwild übrigens wird hauptsächlich zur Weihnachtszeit nach Deutschland geliefert. „Frohe Weihnachten“!





Weihnachtsvorbereitungen finden wir momentan allerorten in Neuseeland. Den „Weihnachtsmann“ trafen wir beim Minigolfspielen. 


Dass der dazu jetzt, so kurz vor dem Fest, noch Zeit hat!?! In einer ausgelassenen Seniorenrunde hatte er sogar das Glück des Tüchtigen, ein „Hole in One“! Der Jubel war bei dem „Heiligen Mann“ groß.

Zur Vorbereitung auf das Fest trifft man sich dann zum „Christmas Carol Singing im Park“. 


Wie schön und stimmungsvoll! Und für das „White Christmas“ sorgt dann eine mit Seifenschaum gefüllte Kanone. Und dann erst die Weihnachtsparade! Das war in der Hauptstadt Wellington so.



In einer Kleinstadt, ein paar Kilometer entfernt gab es eine etwas andere Parade. Das ganze Dorf ging im Umzug mit: Schule, Altenheim, der Frauenverein …, alle waren mit Feuereifer dabei. Der Frauenverein zeigte, wie die Frauen sich auf Weihnachten vorbereiten mit Backen, Nähen, Geschenke einpacken, Baum schmücken und zwischendurch wurden vereinzelt Bonbons in die Menge geworfen mit einem fröhlichen Zuruf „Merry Christmas!“ Herrlich!


Weihnachten kann kommen!

Die schreckliche Überfahrt mit der Fähre von der Nord- auf die Südinsel haben wir nach fast 4 Stunden Gott sei Dank hinter uns gebracht. Die See war stürmisch und unberechenbar. Selbst der Kapitän wurde seekrank. Wir hatten das Gefühl, das Schiff schleudert auf der Seite in den Hafen von Picton, und 70% der Menschen an Bord waren hinter Tüten versteckt. Ein LKW voller Schafe war mit an Bord. Je länger die Fahrt dauerte, desto besser konnten wir die armen Tiere riechen!


Jetzt sind wir also auf der Südinsel und freuen uns auf neue Abenteuer.

Euch allen eine schöne und besinnliche Adventszeit ohne das Hetzen von Besinnung zur Besinnung!