Kurz vor Weihnachten und noch auf der neuseeländischen Südinsel melden wir uns noch einmal, bevor wir dann am Freitag nach Sydney fliegen.
Nord- und Südinsel sind so unterschiedlich, dass man glauben könnte, in völlig verschiedenen Ländern zu sein. Hier sind sie endlich, die riesigen Schafsherden, die wir im Norden so etwas vermisst haben in einer Landschaft, die nicht grüner sein kann. 


Wir beobachten zwei Hunde, die eine riesige Herde trennen, um einige Schafe zum Scheren in einen Pferch zu treiben. Für uns sieht es so aus, als ob der Besitzer nur im Auto sitzen und seine Hunde beobachten muss, während er hin und wieder einen Pfiff von sich gibt. Wie effizient die beiden Hunde zusammenarbeiten, ist unglaublich. Da wird hier kurz gebellt, da ein Schaf ins Bein gekniffen, und am Ende sind die zu scherenden Schafe hübsch in der Umzäunung. Das Ganze dauerte nur wenige Minuten.

 
Jetzt mal ein ganz anderes Thema zu Neuseeland. Wenn man soviel unterwegs ist, braucht man ja ab und zu eine Pause, um sich dringender Bedürfnisse zu entledigen. Das haben die Neuseeländer sehr charmant gelöst. In jedem Ort weist ein Schild darauf hin, wo man die öffentlichen Toiletten findet – und die sind AUSNAHMSLOS in allerbester Ordnung. Wir waren zunächst durch ganz andere Schilder etwas irritiert. 


Man sagte uns, dass die asiatischen Touristen deutlich in die Benutzung der Toiletten eingewiesen werden müssen! Und das ist gar nicht verwunderlich, wenn man an die Geschichte des Toilettengangs in China oder auch Japan denkt. Ich habe da etwas recherchiert:
Im alten China wurden die Bedürfnisse in den Städten auf offener Straße erledigt. „Mann“ stülpte ein bis zu zwei Meter langes Rohr über, um sich nicht nass zu machen.

In Japan war das noch eigentümlicher: musste ein Adeliger auf Reisen dringend ein größeres Geschäft verrichten, betrat er einfach das nächste Haus und machte dort wortlos mitten in die gute Stube. Das war eine große Ehre für den Hausherrn, der das Hinterlassene stolz seinen Nachbarn präsentierte.
Damit ist dieses Thema wohl hinreichend erschöpft und wir sind froh, dass die Schilder eindeutig erklären, was auf den stillen Örtchen zu tun ist!
So, nach diesem kleinen Ausflug in die Welt der Toiletten aber wieder zu den wirklich schönen Attraktionen des Landes.
An der Westküste gibt es eine Felsformation, die aussieht wie übereinander gestapelte Pfannkuchen – und so heißt diese Formation dann auch „Pancake Rocks“. 


Hier den Sonnenuntergang bei allerschönstem Wetter zu erleben, wäre ein Gedicht, wenn es da nicht die kleinsten Flugobjekte Neuseelands gäbe: die SANDFLIES. Man sieht sie nicht, so klein sind sie, aber man merkt sie sehr deutlich, wenn sie zugebissen haben. Das brennt, juckt, macht rote Pocken und lehrt einen das Fluchen, wenn man’s nicht schon kann. Über deutsches Autan lachen diese Sandflies nur und beißen nochmal kräftig in die Autan – besprühte Wade.
Dann begegnen wir doch lieber den größten neuseeländischen Flugobjekten, den Königlichen Albatrossen. Auf der Südinsel gibt es den einzigen Ort der Welt, an dem man diese Tiere vom Festland aus bewundern kann. 


Sie sitzen an einer Klippe, dem offenen Meer zugewandt und brüten ihr Ei aus. Wenn das Junge dann geschlüpft ist, muss es zunächst erst mal gefüttert werden. Da müssen sich Vater und Mutter schwer anstrengen, denn ältere Küken können bei einer Mahlzeit gerne schon mal 2 kg Nahrung zu sich nehmen. Albatroseltern fliegen mitunter bis zu 15 000 km weit, um ihrem Küken eine einzige Mahlzeit zu liefern, die dann allerdings sehr kalorienreich ist. Haben sie die Nahrung abgeliefert, geht es sofort wieder aufs Meer, um weitere „Einkäufe“ für die hungrige Brut zu finden. In der Zwischenzeit wächst das „Kleine“ so schnell, dass die Eltern es nicht mehr am Aussehen erkennen, sondern nur noch am Geruch und an der Stimme. Mit bis zu dreieinhalb Meter Spannweite verfügt dieser Vogel über die längsten in der Natur vorkommenden Flügel. Und das dicke Junge, das vor seinem ersten Flug fast doppelt so schwer wie seine Eltern ist – und dann erstmal ordentlich abspecken muss, probiert seine mächtigen Flügel zum ersten Mal bei seinem ersten Flug aus. Das geht dann auch schon mal daneben, so sagte uns eine Frau, die an diesem Ort schon ihr ganzes Leben lang wohnt und erlebt hat, wie ein Junges bei seinem ersten Flug auf dem Meer notlanden musste. Man schickte die Feuerwehr, die das arme Ding wieder auf die Klippe brachte. Der nächste Flugversuch war dann ein Erfolg. Es gäbe noch so viel mehr über den Albatros zu schreiben, doch das würde den Rahmen sprengen.
Aber – wir haben noch andere Teenies beim Flugversuch gesehen, beim Bungee-Jumping. Es war schon erstaunlich, wie viele untrainierte, meistens deutsche und asiatische – Jugendliche, sich ohne Vorerfahrung oder Training in 43 Meter Tiefe stürzten. Und das für 150 NZ $. Wir waren Zeugen, wie diese UFOs dann mit einem Schleudertrauma und einem unglaublich erhöhten Adrenalinspiegel von anderen Jugendlichen mit Bierflaschen begrüßt wurden. Verrückte Welt!
Übrigens liegt dieser Ort in der Nähe von Queenstown, einem wunderbaren Ort an See und Bergen gelegen, der alle möglichen adrenalinfördernden Sportarten bietet. Und nicht nur das! Er hat auch eigenartige Zebrastreifen. 


Und, man kennt hier Ed Sheeran etwas anders. 


Die Gegend um Queenstown – und nicht nur da – ist so unglaublich schön, dass Film – Location – Scouts hier überaus fündig geworden sind.


Und wir wissen auch gar nicht, was wir alles fotografieren wollen, so viele schöne und faszinierende Motive bieten sich fast auf jedem Schritt.
So fahren wir zum Milford Sound, einem Highlight auf jeder Tour nach Neuseeland. Allein die Fahrt zu dem Fjord ist fast unwirklich. Man fährt eine schmale Passstraße hoch, immer wieder unterbrochen von Möglichkeiten, die wunderbaren Aussichten zu genießen, muss dann durch einen Tunnel – und glaubt, auf der anderen Seite ist eine komplett andere Welt. Die Bergwände scheinen zu fließen, überall sind Wasserfälle, die die Steinwände zum Glitzern bringen. 


Und erst der Fjord: hier MÜSSEN Elfen, Feen und Zauberer leben! 


Leider ist das auch wieder die Heimat der Sandflies! Aber ohne die würde man denken, hier ist das Paradies! Naja, jede Rose hat eben ihre Dornen!
Insgesamt haben wir in den knapp 2 Monaten in Neuseeland riesiges Glück mit dem Wetter. Fast überall ist es trocken oder sogar sonnig, wobei auch schlechtes Wetter hier durchaus seinen Reiz hat. Es lässt die ohnehin schon außergewöhnliche Landschaft noch zauberhafter erscheinen.


Der Klimawandel macht sich deutlich bemerkbar, wenn man die Gletscherwelt Neuseelands ansieht. Vor 5 Jahren konnten wir noch bis an das Eis des Fox – Glaciers wandern. Das ist vorbei. Der Gletscher hat sich auch hier weit zurückgezogen, und die Touristen werden sicher 500 Meter vorher schon davon abgehalten weiterzugehen, da immer mehr Eis abbricht. 


Schön ist die Bergwelt – egal aus welcher Entfernung.


Zurück zum Klimawandel. Nicht nur die Gletscher schmelzen. Einhergehend mit den höheren Temperaturen verändert sich auch der Nahrungsgehalt der Meere dramatisch. Das hat wieder Auswirkungen z.B. auf den Gelbaugenpinguin. Waren bei unserem letzten Besuch die Gelbaugenpinguine, die endemisch für Neuseelands Südinsel sind, zwar schon gefährdet, so sind sie jetzt kaum noch vorhanden. Oamaru, ein kleines Städtchen an der Ostküste der Südinsel, ist bekannt für seine Kolonie von Gelbaugenpinguinen, die nach ihrem täglichen Fischfang zum Schlafen an die Küste kommen. Zwei Abende waren wir am Beobachtungsunterstand. Am ersten Abend kam gar keiner, und am zweiten Abend tauchte plötzlich ein einziger Pinguin auf. Mit einem Schlag verstummten alle Gespräche der mit uns Wartenden. Völlig gebannt starrten wir auf das kleine Wesen, das sich da den Weg über den Strand ins Gebüsch erkämpfte. 


Bewohner von Oamaru teilen sich Wachdienste auf, damit die vereinzelten Tiere auch wirklich von Menschen ungestört an Land kommen können. Denn, so erzählte uns einer der freiwilligen Helfer, sie hätten Menschen davon abhalten müssen, den Strand zu stürmen, um das ultimative Foto zu bekommen. Der schlimmste Fall war wohl, dass Touristen Pinguineier als Souvenir geklaut haben. Ist das nicht unglaublich?
Da ist es doch viel schöner, die Tiere aus für beide Seiten sicherer Entfernung zu beobachten. So ging uns das mit Seelöwen und auch mit Seehunden.


Noch ein paar Kuriositäten des Landes: in jedem Jahr wird an der Universität der schottisch anmutenden Stadt Dunedin der Abschluss der Studenten mit einer Parade durch die Stadt eingeleitet. Das war die eigentümlichste Parade, die wir je gesehen haben. Die einzigen Menschen, die irgendeine Ordnung einhielten, waren die Musikanten, die als erste den Reigen anführten. 


Darauf folgten dann die Professoren und Professorinnen, erkennbar an Talar und Doktorhut. Ja, und dann kommen die Studenten. Um die erste Kurve herum war noch alles in bester Ordnung, aber dann löst sich das Ganze sehr schnell an Kaffeeständen, Bars und Pubs auf, um dann völlig desolat vor dem Townhouse wieder zusammen zu finden. Dabei ist die Stadt voller Menschen, die am Straßenrand stehen und den Examinierten zujubeln wollen. Jeder Karnevalsumzug bei uns ist besser organisiert. Hmm, oder vielleicht doch nicht? Naja, auf jeden Fall nehmen sich alle nicht so wichtig, was besonders deutlich an den Steinmetzarbeiten am Eingang zur Universität wird, die wir natürlich unbedingt sehen wollten.


Eine der Professorinnen, mit der wir ins Gespräch kommen, gehört übrigens zur Steampunk Gilde. 


Und die Welthauptstadt des Steampunks ist … Oamaru in NEUSEELAND. Ist das nicht spannend? Wir haben sie natürlich gegoogelt, denn so, wie auf dem Bild, sah sie an dem Tag nicht aus!
Die steilste Straße der Welt liegt auch in Dunedin. Es dauert etwa 10 Minuten die nur 350 Meter lange Straße zu gehen, denn die Steigung ist so groß, dass auf 2,8 Metern ein Höhenunterschied von 1 Meter ist. 


Und das ist viel! Man geht gebeugt nach oben. Autofahren, das beim letzten Mal noch mit einer Urkunde für erfolgreiches Befahren der Baldwin Street belohnt wurde, ist mittlerweile verboten.
Und dann gibt es da noch die Kugeln, die am Strand von Moreaki liegen und etwa 5 Millionen Jahre alt sein sollen.


Nicht zu vergessen: der höchste Berg Neuseelands, Mount Cook! Die Trainingswiese für Sir Edmund Hillary, dem Bezwinger des Mount Everest. Mit seinen 3724 Metern ragt er weit über die Bergwelt Neuseelands hinaus. Bei allerbestem Wetter (vorher Regen, am Tag der Abreise Sturm und Regen) können wir den Blick auf den majestätischen Berg genießen. Und Wandern hier ist traumhaft schön. Nach seinen ersten Klettererfahrungen am Mount Cook war Sir Hillary gefesselt vom Klettern, wen wundert’s? Übrigens hat es immer die Frage gegeben: „wer hat den ersten Fuß auf den Gipfel des Mount Everest gesetzt, Edmund Hillary oder der Sherpa Tenzing Norgay?“, über die es fast zum Nationenstreit gekommen wäre. Sir Hillary klärte das Ganze dann damit, dass für ihn klar war, ohne die Hilfe des einen hätte der andere nicht so hochkommen können und umgekehrt. Aber dennoch: der erste sei EH gewesen.
Es ist nicht die 


südlichste Stadt der Welt, denn die liegt in Argentinien, bzw. in Chile, aber es ist der südlichste Punkt Neuseelands und danach kommt zumindest auf diesem Längengrad nur noch die Antarktis, und der ist schon ziemlich nah dran.



Christchurch ist die Stadt, die 185 Tote nach einem schrecklichen Erdbeben im Jahr 2011 zu beklagen hatte. Seitdem bebt die Erde immer wieder. Mit einer Dame im Museum haben wir über die ständige Gefahr des Erdbebens gesprochen, und sie erzählte uns, dass, wann immer sie plötzliche Kreislaufstörungen hat, sie zuerst an die Decke schaut, um festzustellen, ob die Lampen wackeln. Meistens liegt es nicht an ihr, wenn der Kreislauf Alarm schlägt. Inzwischen, so sagt sie, hätten viele Bewohner die Stadt verlassen. 70000 Menschen haben eine Woche nach dem Beben dauerhaft Christchurch verlassen, und 12000 Häuser wurden bis 2016 abgerissen. Die ständige Gefahr sei eine zu große Belastung. Noch immer beherrschen freie Plätze, Baukräne und Absperrungen das Stadtbild. Mit dem Mut der Verzweiflung ist die Stadt in den Köpfen der Bewohner jetzt „Quake City“.
Vor 5 Jahren, bei unserem letzten Besuch, war die Stadt wie nach einem Bombenangriff zugerichtet. Rote Zettel wiesen auf die Einsturzgefahr der Gebäude hin und untersagten wegen Lebensgefahr den Zutritt. Heute stehen nach wie vor viele Bauruinen in der Stadt, ohne rote Zettel, dafür aber mit Bauzäunen umgeben. Die alte, wunderschöne anglikanische Kathedrale, das Wahrzeichen von Christchurch, liegt noch immer in Trümmern.


Aber man hat sich arrangiert. Christchurch steht so langsam wieder auf. Die Kathedrale wurde durch eine Papprollen – Kirche ersetzt. 


Und in der hören wir den Jungs des Chores zu, die jetzt vor Weihnachten an jedem Tag an einem anderen Ort in der Stadt ein Konzert geben. Wir hören sie in der Cardboard Cathedral und sind begeistert und nun auch ein wenig auf Weihnachten eingestimmt. Die Stadt regt zum Nachdenken an. Nur wenige Sekunden, und das Leben kann in eine ganz andere Richtung laufen.
Aber ja, das Leben geht weiter! Und dafür ist die „Papp – Kirche“ ein wunderbares Symbol.
Die Neuseeländer versuchen das beste daraus zu machen. Jedenfalls freuen sie sich offensichtlich auf das bevorstehende Fest. Und schmücken selbst ihre Ikone, das Schaf weihnachtlich.


Da bleibt uns nur noch, jedem von Euch ein frohes, gesegnetes Weihnachtsfest zu wünschen und ein ganz besonders gutes Neues Jahr 2019!