Mit guten Traditionen soll man nicht brechen. Unsere Tradition ist mittlerweile, einen „kurzen“ Bericht zu schreiben, wenn wir mit dem Flugzeug den Standort wechseln. Und es ist wieder so weit. Wir nähern uns Deutschland „little by little“. Von der Gold Coast, im Osten Australiens, fliegen wir nun in die Mitte, nach Melbourne.
Weihnachten in Sydney und Silvester an der Gold Coast, das war schon ganz besonders.
In diesem Sinn wünschen wir allen ein gutes – und vor allem gesundes Jahr 2019!
Aber von vorn! 3,5 Stunden nach Abflug von Christchurch, Neuseeland, landen wir in Sydney  – bei noch ganz normalen Temperaturen von 24°. 


An der Rezeption treffen wir auf einen superfreundlichen Angestellten aus Marokko, der uns im 36. Stock ein Zimmer gibt. Wow! Ein wunderbarer Ausblick auf das beleuchtete Sydney erwartet uns. Die Stadt hat sich für die Feiertage noch hübscher gemacht, als sie ohnehin schon ist: ob die Straßendekoration in der Einkaufsstraße Sydneys und im Darling Harbour oder die Tausende von Swarovski – Steinen am Weihnachtsbaum im Queen Victoria Building. 



Hinzu kommen die Chöre, die sich irgendwo in der Stadt aufbauen und Weihnachtslieder singen – natürlich festlich geschmückt!!! 


Es ist schon eigenartig: Weihnachten ohne die „richtigen“ Temperaturen, ohne Weihnachtsmärkte und ohne Vorbereitungen auf das Fest. Aber anders heißt ja nicht schlechter!
Gefeiert wird in Australien so richtig am 25.12. Heilig Abend ist eigentlich noch gar nichts, nur die vereinzelten katholischen Kirchen bieten Christmetten am 24.12. an. Das Angebot nehmen wir wahr und besuchen die Kathedrale in Sydney, die schon 2 Stunden vor Messbeginn gepackt voll ist. 


Ein Mitarbeiter der Kirche vertröstet uns: „wenn der Bischof eingezogen ist, wird es leerer!“ Recht hat er. Die Menschen, die als Nikoläuse oder Engel verkleidet, mit klingelndem Handy am Ohr oder in der Tasche auf ein stimmungsvolles Bild für ein Foto gekommen waren, verließen scharenweise die Kirche, nachdem der Zug der Priester, Messdiener und Choristen fast den Altarraum erreicht hatte. Und der Gottesdienst hatte auf einmal Luft zum Atmen.
Aber, wir gesagt, gefeiert wird dann in Australien am 25.12. Man trifft sich dazu im Park, hat Grillfleisch dabei und genießt feucht-fröhlich das weihnachtliche Zusammensein mit Familie und Freunden. 


Übrigens fiel uns auf, dass die Kleidung in der Kirche durchaus auch am Strand angemessen gewesen wäre, während man beim Weihnachtsgrillen im Park im Brokatkleid, schwarzem Anzug mit Schlips oder Engelchen-Tüllkleid auf der Decke saß. Eine herrliche Atmosphäre, zu der auch der Weihnachtsmann immer wieder mal dazu stößt.


Sydney ist wirklich eine wunderbare Stadt: hier ist ein so freundlich-fröhliches, internationales Flair. Alle Menschen scheinen einfach bestens gelaunt. Haupttreffpunkt ist der Hafen mit seiner faszinierenden Oper und natürlich dem „Kleiderbügel“, der Harbour Bridge.



Wir genießen fast eine Woche lang diese herrliche Stadt. Wenn man bedenkt, wie sie angefangen hat: als Strafgefangenenlager für die Briten. Aber gut, was hatten die Täter schon getan?
JOHN HILL: Nach Diebstahl eines leinenen Taschentuchs im Wert von 6 Penny zu 7 Jahren Verbannung nach Australien verurteilt.
ELIZABETH BASON: Sollte wegen Diebstahl von 6 Meter Kattun gehängt werden. Die Strafe wurde in 7-jährige Verbannung umgewandelt.
JAMES BARTLETT: Für schuldig befunden, 1 000 Pfund Seilgarn gestohlen zu haben. Für 7 Jahre nach Australien verbannt.
Zeugen dieser Vergangenheit findet man an allen Ecken der Stadt. 


Heute üben sie einen gewissen Charme aus. Damals empfanden es die Sträflinge sicher nicht so charmant, wenn sie zu 50 Menschen in einem Raum übernachten mussten, quasi „Schlafen am Strick“, dann von morgens bis abends arbeiten unter schwersten Bedingungen und das bei wässriger Suppe und Brot.


Man mag gar nicht darüber nachdenken, was diesen beiden Verkehrssündern für eine Strafmaßnahme gedroht hätte, wäre das Foto vor 200 Jahren aufgenommen worden.


In Sydney kann man gut und gerne Monate bleiben – ohne sich einen Moment zu langweilen, aber wir ziehen weiter nach Norden. Und wie gut! Denn mit dem Tag unserer Abreise kommt die Hitze. Und 40+° sind besser am Wasser auszuhalten als in der Stadt. Na ja, so ganz am Wasser sind wir die ersten zwei Tage im Backofen noch nicht, sondern wir besuchen zuerst die „Blue Mountains“. Aber hier kommt uns die Hitze so etwas entgegen, denn je wärmer es ist, desto blauer sind die Berge. Das kommt von den Eukalyptusbäumen, die ein ätherisches Öl verströmen. Dieses verdunstet in der Sonne. Es bildet sich ein Nebel über den Bäumen, der bei Lichteinstrahlung blau erscheint. 


Und es riecht wie im Badehaus! Eine ganz besondere Gesteinsformation sind die „Three Sisters“.


Eigentlich waren es mal 7 Schwestern, 4 sind abgebrochen. Aber die 3 reichen schon aus, um die Gewaltigkeit der Landschaft zu bestaunen. Seit 2000 gehört diese Gegend übrigens zum Weltkulturerbe. Es dürfen keine Bodenschätze mehr aus den Bergen gehoben werden, die Landschaft darf nur noch bestaunt und fotografiert werden. 


Hier herrscht nicht nur eine Artenvielfalt unter den Eukalyptusbäumen, sondern auch unter den Tieren. Zwei spezielle australische Vögel begegnen uns hier: der Kookaburra und der Lyrebird.
Während der Kookaburra nicht nur durch seine leuchtend blauen Schwanzfedern ins Auge springt und sein Lachen (er ist auch als „Lachender Hans“ bekannt) unüberhörbar ist, ist der Lyrebird erstmal völlig unauffällig. 


Hätte er nicht die langen Schwanzfedern, hätten wir ihn gar nicht erst erkannt. Denn er könnte auch als Fasanenweibchen durchgehen. Aber wenn der anfängt zu singen, dann ist das das Verwunderlichste, was man je gehört hat. Der Lyrebird beherrscht perfekt die Kunst des Stimmenimitierens. Ob es sich dabei um das Nachahmen des Kookaburras (der nur 6 Ruflaute beherrscht), einer Polizeisirene oder einer Kreissäge handelt, der Lyrebird imitiert alle Geräusche. Gleichzeitig zu seinem Gesang tanzt er mit den Schwanzfedern hoch erhoben über seinem Kopf. Und warum tut er das? Er will dem Weibchen imponieren. Wen wundert’s? Das Weibchen übrigens beherrscht die sagenhafte Imitationsfähigkeit genauso wie das Männchen, nur ist es noch scheuer und spricht seltener. Was ist denn da passiert??? Das ist ja mal selten in der Natur!
Eigentlich bekommt man den Lyrebird in freier Wildbahn nur ganz selten zu Gesicht. Wir haben Glück! Oftmals bemerkt man nur, dass er da ist, weil aus ein und derselben Ecke verschiedene Vogelgesänge zu hören sind. Wir haben ihn allerdings beim Baden in einem Bach entdeckt. Leider hat er für uns weder getanzt, noch gesungen.
Das Stimmenimitat des Lyrebirds ist übrigens so bemerkenswert, dass man ihn als Namensgeber für ein spezielles Computerprogramm benutzt hat. Junge Leute in Kanada haben ein Programm entwickelt, das Stimmen klonen kann. Wofür braucht man das? Gerade für Patienten, die ihre Sprachfähigkeit verloren haben, soll es weiterentwickelt werden. Und es heißt „Lyrebird“.
Während der Lyrebird auch als Wahrzeichen für die australischen Nationalparks in New South Wales dient, war der Kookaburra eins von 3 Maskottchen für die Olympischen Spiele von Sydney.


Ganz anderes Thema: Sport für Senioren (und nicht nur für die) in Australien. Was dem Franzosen das Boulespiel und dem Italiener das Boccia ist, das ist das Bowling für die Australier. In jedem Ort findet man Bowl – Plätze und nette Menschen, die uns in die Geheimnisse dieses Sports einweisen.


Zunächst mal ist man sehr stolz darauf, dass der erste Weltumsegler Sir Francis Drake diesen Präzisionssport vor 400 Jahren als einer der ersten gespielt haben soll. Für uns ist es wie Boccia, nur die Kugeln sind ganz anders, nicht rund, sondern an zwei Seiten abgeflacht. Sie rollen also wie Reifen. Und der Rasen, auf dem gespielt wird, kommt – so sagte man uns – aus dem Norden Australiens. Der Herr, der uns das Spiel erklärte, sagte, er wohne nun seit 15 Jahren hier in Katoomba, habe genau diesen Rasen in seinem Garten eingesät und ihn bis jetzt noch nicht mähen müssen. Wie praktisch!!!
Die Westküste hoch zu fahren, ist ein Genuss. 


Hier reiht sich ein Küstenausblick nach dem anderen. Mit viel Glück sieht man von hoch oben Delfine, die sich an der Wasseroberfläche tummeln oder Wale, die nach Luft schnappen. Auf jeden Fall aber sieht man die Surfer, die mit mehr oder weniger Können auf den Wellen reiten. In Byron Bay haben wir den östlichsten Punkt des australischen Festlands erreicht.
Und dann erst das Hinterland der Gold Coast. Hier findet man Regenwälder des ehemaligen Superkontinents Gondwana mit den antarktischen Buchen. Jurassic Park hätte hier gedreht werden können, die Bäume jedenfalls sind noch aus dieser Zeit. Ist das nicht unglaublich? Und plötzlich stehen wir wie gebannt vor einem Baum, von dem eine australische Python hängt. Gelesen haben wir es ja oft genug: hochsehen, wenn man durch einen Wald geht. Es könnte … Nicht nur es könnte, es hängt! Da wir von (hoffentlich) Kennern überzeugt werden, dass es nicht gefährlich ist, sich dieser „Teppichpython“ zu nähern, wagen wir uns näher ran und beobachten das 6 Meter lange Tier eine ganze Weile. Lautlos zieht sie sich den Ast entlang auf dem Weg in die Sonne. Ein tolles Tier – aus einigermaßen sicherer Entfernung!


Geheimnisvoller Regenwald, das kann man wohl sagen! Vor allem dann, wenn man noch ein Mini – Känguruh im Wald trifft.


Fast geheimnisvoll ist es auch, einem Schafscherer bei der Arbeit zuzusehen. 


Nicht nur in Neuseeland, auch in Australien war die Schafzucht eine der Haupteinnahmequellen des Landes. Schafscherer in beiden Ländern streiten jährlich um den Weltmeistertitel. Der schnellste Scherer, so erfahren wir, braucht 14 Sekunden, um ein Schaf zu scheren. Übrigens: weder Neuseeland noch Australien züchtet die meisten Schafe, nein, diesen Rang hat China ihnen abgelaufen. Allerdings bin ich nicht sicher, ob China auch führt bei dem Vergleich der Zahlen Schaf pro Mensch!!! Momentan sicher ja, denn die meisten Chinesen sind in Australien, so scheint es.
Zeit für eine Pause an der Gold Coast. Blauer Himmel, blaues Wasser – und die Begegnung mit den australischen Ikonen sind einfach traumhaft schön. Koalas, Kängurus, Ameisenigel.


So kann es weitergehen auf unserer Tour durch Australien. Wir sind gespannt und freuen uns auf neue Begegnungen!
Macht es ganz gut und seid herzlich gegrüßt!