Wir landen von Brisbane aus in Melbourne, wo sich alles auf die Australian Open vorzubereiten scheint. Public Viewing wird überall in der Stadt mit gemütlichen Sitzgelegenheiten angeboten. Aber gut, so weit sind wir ja noch nicht. Wir werden das Tennisereignis um genau einen Tag verpassen. Man spürt die Vorbereitungen auf dieses Event überall.
Man spürt aber auch die Eleganz, die Gemütlichkeit, die Multikulti – Atmosphäre und das europäisch – koloniale Flair dieser wunderbaren Stadt. Alt und neu passen hier einfach perfekt zusammen. 


Dem Touristen wird es zudem sehr leicht gemacht, sich hier zurecht zu finden. An jeder Ecke stehen nette Helfer (in unübersehbarem Rot gekleidet), die so hilfsbereit sind, dass sie Hilfe anbieten, sobald man nur stehenbleibt und sich umsehen möchte. SEHR LIEBENSWERT!
Mit 24 Stunden am Tag kommt man überhaupt nicht aus, will man alle kulturellen Angebote der Stadt wahrnehmen. Aber das ein oder andere Museum sehen wir uns doch an. Durch Zufall geraten wir in die Old Treasury, die Schatzkammer des Staates Victoria, das im Laufe der Zeit wohl einige wertvolle Schätze aufbewahrt hat. Einer der größten Goldnuggets, der „Welcome – Nugget“, mit einem Gewicht von etwa 69 kg wurde vor gut 150 Jahren in Victoria gefunden und in dieser Schatzkammer aufbewahrt, bis er dann ein Jahr später zu Goldmünzen verarbeitet wurde.
Im September 2018 wurde im Nachbarstaat Westaustralien übrigens ein 95 kg schweres Nugget gefunden. Kleiner Vergleich gefällig? Der größte Goldfund in Deutschland wog knapp 10 g.
Aber neben den materiellen Schätzen, die die Schatzkammer beherbergte, ist sie jetzt ein Ort, an dem wir viel über die Geschichte Victorias erfahren. Und einen größeren Schatz als Geschichte kann es ja nicht geben!
Obwohl Melbourne eine Millionenstadt ist, hat man nicht das Gefühl von Stress und Hektik. Das Leben scheint hier ruhiger zu verlaufen als in deutschen Kleinstädten. Cafés, Pubs und Grünflächen tragen dazu bei, dass uns sofort der Begriff „Gemütlichkeit“ in den Sinn kommt.
Nur ungern verlassen wir die Stadt und fahren auf die vorgelagerte Halbinsel Philipp Island zu, vorbei am beliebtesten Strand Melbournes, Brighton. Die Badehäuschen sind ein wahrer „eyecatcher“. 


Schwimmen ist momentan schwierig, denn in den Gewässern um Australien sind Mengen von Quallen, die den Badenden zu Leibe rücken. Empfohlen wird das Schwimmen mit Schutzanzügen. Wir sehen immer wieder Quallen, große und kleine. Diese hier war besonders imposant. 


Ob sie dafür verantwortlich war, dass ein junges Mädchen schreiend zur Dusche lief, das Bein tiefrot von oben bis unten, wissen wir nicht. Aber es muss höllisch weh getan haben. So ein – mit lilaroten Streifen durchsetztes – Bein haben wir jedenfalls noch nie gesehen. Erst später lernen wir, dass an jeder Erste Hilfe – Station am Strand auch ein großer Behälter mit Essig steht. Essig wird über die Wunden gegossen, um das Ausbreiten des Giftes im Körper zu verhindern.
Bevor wir zu der bekanntesten Attraktion Philipp Islands kommen, den kleinen Pinguinen, haben wir aber noch ein besonderes Erlebnis mit einem Bowerbird, das heißt eher mit seinem Haus. Der eigentlich unscheinbare Vogel ist ein talentierter Baumeister. Er gibt sich die größte Mühe, für seine Traumfrau ein Heim zu errichten. Dabei dekoriert er den Bau mit allen möglichen Gegenständen, die er so unterwegs findet. Aber – blau müssen sie sein! 


Das Weibchen begutachtet nach Fertigstellung das Eigenheim. Sagt es nicht zu, reißt das Männchen alles wieder ein und baut neu. Und das unermüdlich!
Und dann sehen wir im Wald auch noch einen Frogmouth, eine Eule, die sich den Bäumen äußerlich so angepasst hat, dass sie kaum zu erkennbar ist. Glück gehabt!


Aber jetzt zu den kleinen Pinguinen. Eine besonders große Kolonie lebt an der Küste von Philipp Island, und jeden Abend, zum Sonnenuntergang, kommen die erwachsenen Tiere zurück zu ihren Jungen. Das ist ein Schauspiel, das Tausende von Besuchern anzieht. Tagsüber sitzen die Jungen in ihren Höhlen und warten darauf, dass die Eltern abends mit dem ersehnten Futter zurückkommen. Die Eltern schwimmen bis zu 60 km vor die Küste zum Essen fangen, das dann auch an die hungrige Brut weitergegeben wird. Wenn man dann die „ausgehungerten“ Jungen sieht, die übergewichtig erscheinen und die sich auf die ankommenden Erwachsenen stürzen, egal ob Vater, Mutter, Onkel oder nur Nachbar, dann denkt man sich schon, „mein Gott, sind die verfressen!“ Die erwachsenen Pinguine dagegen machen einen abgespannten, müden Eindruck. Immerhin haben sie ihre tägliche lange Reise hinter sich, müssen die gefahrvolle Überquerung des Strandes überstehen, an dem sie ja ungeschützt sind (deshalb erst zum Sonnenuntergang, geduckt und in großer Zahl „Mann an Mann“, damit es wie ein einziges großes Tier aussieht) und werden dann von vielleicht fremden, dicken und hungrigen Schnäbeln erwartet. Die Jungen erkennen die Eltern nicht, aber die Eltern die Jungen. Und dieses Schauspiel wiederholt sich Tag für Tag. Sind die Jungen dann groß genug, werfen sie ihr Federkleid ab, das zunächst noch nicht wasserdicht ist und warten darauf, dass mit den neuen, wasserfesten Federn der erste eigenständige Tauchgang kommen kann.
Wie in einem Flughafen wird man mit großen Bildschirmen darüber informiert, wie viele Pinguine am Vorabend zu welcher Uhrzeit gesichtet wurden. Und dann warten wir in einer Art Arena auf die kleinen, nur 35 cm hohen Vögel. 


Von der Ankunft selbst bekommen wir gar nicht so viel mit. Aber der lange Weg zum Nest, den die Tiere zurücklegen, ist schon sehr sehenswert. Angestrengt laufen sie über Stock und Stein, die Hügel hoch zu ihrem Nest. Dabei wackeln sie in ihrer typischen Art so schnell sie können an all den Besuchern vorbei und werden lauthals von den Jungen begrüßt, egal ob eigenes oder Nachbarskind. Mit welcher Nachhaltigkeit die „Großen“ dann die fremden Kinder zur Seite stoßen, denn schließlich wollen sie ja auf dem schnellsten Weg zum eigenen Nest, das ist schon bemerkenswert.
Am nächsten Tag gehen wir noch einmal tagsüber zu den Pinguinnestern. Es ist nichts mehr zu hören von dem aufgeregten Schnattern der hungrigen Kleinen. Sie liegen dösend in den Bruthöhlen und warten auf den Sonnenuntergang. Aber da sehen wir doch einen neugierigen erwachsenen Pinguin, dessen 2 Junge noch zu klein für einen ganzen Tag ohne Eltern sind. Vorsichtig hält er hinter seiner Wohnung Ausschau nach dem Partner. So’n Tag ist lang im eigenen Haus! 


Und so schön, wie auf dem Bild, ist die Landschaft rings um die Pinguinbehausungen.


Läuft man durch die Eukalyptuswälder von Australien sieht man automatisch nach oben. Auch wir gehen so, mit in den Nacken gelegten Kopf, durch den Wald. Und nicht umsonst! Sieht man einen Filzknubbel in einer Astgabel, dann kann das ein Koala sein. Fast könnten wir das Bild als Suchbild für ein Preisausschreiben einschicken. Wo ist der Koala? 


Sie sind einfach zu schön. Sie sitzen in höchsten Baumwipfeln, lassen sich vom Wind hin und her schaukeln und riechen wie ein ganzes Badehaus. Eine Australierin sagt uns, dass sie gar nicht mehr hinschaut, wenn Koalas in der Nähe sind. Sie sei Mutter von 3 pubertierenden Jungs, und die Koalas seien ganz genauso: sie schlafen den ganzen Tag, wenn man Glück hat, erwischt man sie beim Gähnen, und die einzigen Tätigkeiten sind, etwas zu essen oder zu trinken. Das hätte sie Zuhause. Und dafür müsse sie ihren Nacken nicht verspannen. Auch eine Einstellung! Aber nicht unsere!

 

Ein ganz besonderes Erlebnis haben wir mit einem Koala auf dem Weg zu einem Leuchtturm an der viktorianischen Küste. Plötzlich treffen wir auf eine Menschenansammlung. In der Mitte am Straßenrand sitzt ein Koala. Sehr ungewöhnlich! 


Er ist offensichtlich verletzt und humpelt. Die um ihn herumstehenden Menschen beginnen, ihn einzukreisen und ihn gar noch zu streicheln. Das Tier ist mittlerweile so gestresst, dass es die freundliche Dame, die ihm gerade aus ihrer Trinkflasche Wasser geben will, kräftig in die Hand beißt. Da wir die einzigen sind, die in Richtung des Leuchtturms fahren und keiner eine Notfallnummer für verletzte Tiere zur Hand hat, begeben wir uns auf dem möglichst schnellsten Weg dorthin und melden den Vorfall. Hier bedankt man sich ausgiebig und gibt uns die Telefonnummer für die Meldestelle. Es gibt genau eine einzige Stelle, die verantwortlich für die Verletztenmeldungen für Tiere im gesamten Bundesstaat ist. So ist es auch nicht verwunderlich, dass es 4 Vorträge über Enten in Swimmingpools dauert, bis die maschinelle Stimme durch eine reale ersetzt wird. Und übrigens, die reale Stimme unterscheidet sich in GAR KEINER Weise von der maschinellen, was zu einiger Irritation auf beiden Seiten führt. Aber schließlich wird jemand losgeschickt, der das arme Tier einfangen soll.

Kleine Besonderheit zu diesem Leuchtturm auf Cape Otway? 


Im Jahr 1978 ist hier ein Cesna – Pilot mit seiner Maschine verschwunden, der kurz vor dem Verschwinden vom Radar der Luftfahrtkontrolle meldete, dass ein UFO sich seiner bemächtigen würde. Und er und seine Maschine sind tatsächlich nie wiederaufgetaucht. Wer weiß, was da los war?
Wir schließen uns hier aber einer ganz irdischen Wanderung an, die von einem Aboriginal geführt wird. Aus jeder Ecke des Weges zieht er Blätter, Beeren und Halme, die wir probieren sollen und die gegen diese und jene Krankheit helfen können. Gleichzeitig gibt er Kochrezepte der Aboriginal People preis. Überaus spannend! Da werden nicht nur Maden und Würmer gegessen, wie es uns das TV in speziellen Sendungen weismachen will. Flax, Beeren und Ameisen sind hilfreich beim Brotbacken. Warum Ameisen? „Beobachte Ameisen, und du weißt, wo Süßes ist!“ so sagt uns der nette Guide. „Wenn eine Ameise die Cookies im Plätzchenglas auf unserem Schrank findet, dann doch sicher den Zucker in der Natur!“ Stimmt wohl!
Eine der schönsten Straßen der Welt ist die Great Ocean Road entlang der Südküste Australiens. Außer uns wissen das Tausende von Menschen und Millionen von Fliegen, was wiederum ganze Vogelschwärme folgen lässt. 


Und schon grüßen wir wieder auf australische Art mit dem Winken vor dem Gesicht. Die Fliegen sind aber auch wirklich eine Plage. Es interessiert sie gar nicht, ob wir winken und schlagen. Sie setzen sich in Ohren, Nase und Mund. Eine Unterhaltung ist da nicht mehr möglich.
Noch sind Schulferien in Australien. Das merkt man deutlich an den Küstenorten. Hier ist alles mehr als voll besetzt. Und trotzdem, Hektik kommt nicht auf. Ob wir das mit nach Hause nehmen können?
Ein kleines Mädchen tanzt fast über die Wellen, so viel Spaß hat sie am Wasser, denken wir, bis wir den Stingray sehen, der direkt am Strand durch das Wasser zu schweben scheint.

 
Die australische „Route 66“ – oder so ähnlich – führt uns durch Strandidylle mit kleinen Fischerdörfern, Fischrestaurants und Urlaubsfeeling pur.


Ein Echidna oder auch Ameisenigel versucht vor unserem Auto die Straße zu überqueren. 


Ausnahmsweise sind nur wir hier, also können wir anhalten und das Tier aus der Entfernung fotografieren. Scheinbar war der Abstand aber nicht weit genug, denn der Igel steckt seine Nase ins Gebüsch und „spielt tot“. Keine Bewegung, nichts! Was ich nicht sehe, ist nicht da! Menschen? Wo? Im Gebüsch nicht! Wir lassen ihn in seinem sicheren Glauben und machen uns davon. Im Rückspiegel sehen wir aber, dass er auferstanden ist von „den Toten“ und munter durch den Graben wackelt auf der Suche nach Ameisen, denn auch er scheint das Süße zu lieben!
Unsere Route führt uns in das Barossa Valley, eine Gegend, in der vor 150 Jahren viele Deutsche aus Flucht vor religiöser Unterdrückung im eigenen Land eine neue Heimat fanden. Die ersten Siedler fanden zwar religiöse Freiheit, aber mussten sich ihre Existenz schwer erarbeiten. Ein Beispiel für „Aller Anfang ist schwer“, ist das erste Zuhause der Familie Herbig. 4 Jahre lang lebte die Familie – zu der Zeit noch mit 2 Kindern (am Ende wurden es 16!!!) – in einem hohlen Eukalyptusbaum. Der Baum ist zwar groß, aber trotzdem … 


Die Deutschen brachten nicht nur Apfelstrudel, Kuckucksuhren und Lederhosen mit, sondern sie waren ausschlaggebend dafür, dass dieses Tal berühmt für seine Weine ist. 


Und folglich schließt sich auch gute Küche an. Das australische Pendant zu unseren Lichters, Lafers und Rosins ist Maggie Beer. Sie hatte lange eine Kochshow im australischen TV, hat jetzt eine Kochschule, schreibt Kochbücher und entwickelt Soßen, Gewürze und was sonst in eine gute Küche gehört! Zufällig geraten wir in eine Kochstunde mit der „Göttin der Pfannen und Herde“. Bekannt ist sie bei uns übrigens auch – so erfahren wir – durch die Verwendung von Verjuice. Sie entdeckte diese alte französische Zutat, die aus unreifen weißen Trauben gewonnen wird (ohne Alkohol), wohl als erste Köchin weltweit wieder neu für die Kunst des Kochens. Uns überzeugt sie übrigens auch durch ihr unbändiges Lachen! 


Die Hitze kommt näher. Jeden Tag wird es heißer!


Temperaturen von 45° werden für unser nächstes Ziel vorhergesagt.
Und dann werden es 50° ! 


Jeder Hitzerekord wird gebrochen. Der heißeste Tag jemals in Südaustralien. Ärzte und Feuerwehr warnen im Fernsehen vor dem „Horror – Tag“. Ruhig kann man dabei nicht bleiben. Sehr genau beobachten wir den Himmel. TV war für uns in den letzten Monaten fast nicht mehr vorhanden, ist jetzt aber die einzige Informationsquelle, denn auch das Internet versagt hier seinen Dienst. Die Tiere werden bereits auf der Weide fast gegrillt. Wir beobachten eine Schafherde, die sich geschlossen hinter einem Zaunpfahl in den Schatten retten will. So groß ist die Verzweiflung der Tiere! Wenn man sich dann den Vergleich mit den neuseeländischen Schafen in Erinnerung ruft!!! Oh je, da sind die Cousins in Neuseeland doch klar im Vorteil!


Wir selbst können nur in den allerfrühesten Morgenstunden draußen sein. Danach geht gar nichts mehr! Unser Vermieter erklärt uns, sollte das Feuer von Osten kommen, dann 10 km nach rechts fahren, da ist der Versammlungsplatz für die Menschen in Gefahr. Kommt das Feuer von Westen, dann 8 km nach links. Entspannen? Nein, nicht unter diesen Konditionen. Und in den Nachrichten wird gezeigt, wie die Menschen auf dem Asphalt kochen und backen!!!


Heißer kann es ja nun wohl nicht mehr werden! Also fahren wir weiter ins Outback, zunächst zu den Flinders Ranges.
Auch das Innere des Landes war einmal von Wasser bedeckter Meeresboden, deutlich erkennbar an den Fossilfunden. Fliegt man über das Gebiet, so sagt man uns, hat man einen einzigartigen Blick auf die, sich unmittelbar aus der Ebene erhebende Bergformation, die wie ein Amphitheater geformt ist. 


Das Bild ist nicht von uns, aber den Blick wollten wir doch gerne selbst sehen und zeigen. Wir erwandern uns den Blick, den man hat, wenn man in die einzige offene Stelle des „Theaters“ geht. 


In dieser Gegend trafen wir übrigens auf die höchste Anzahl von Kängurus. Auf 15,2 km haben wir 71 lebende gezählt. Die Anzahl der toten Tiere ist deutlich höher. Die Roadtrains, die an uns vorbeirasen, dass es einem fast den Atem nimmt, werden wohl nicht sonderlich rücksichtsvoll mit den Tieren umgehen, die gleichzeitig mit ihnen die Straße nutzen.

 
Kängurus machen sich die landwirtschaftlichen Entwicklungen durchaus zunutze: das, was den Schafen und Rindern zugutekommt, wird von ihnen auch angenommen, und da mischt sich so ein Känguru schon mal gerne unter eine Schafherde.

 
Jetzt wird es aber Zeit für das heiße Herz Australiens. Wir wollen zum Ayers Rock oder besser zum Uluru, wie er in der Sprache der Indigenous People heißt. In 3 Etappen überwinden wir die ca. 1800 km. Der erste Stopp bringt uns in die unwirklichste Stadt überhaupt, nach Coober Pedy. Ca. 600 km Wüstenlandschaft liegen hinter uns, hin und wieder unterbrochen durch ein Roadhouse, wo man tanken, eine Kleinigkeit essen oder trinken und das so zu sich Genommene auch wieder wegbringen kann. Eine Wasserpipeline begleitet unseren Weg für Kilometer und immer wieder queren wir die Bahntrasse, die schnurgerade das Land in nordsüdliche Richtung durchquert.

 
„Kupa piti“, was in der Sprache der Aborigines „Loch des weißen Mannes“ heißt, sagt schon das Wesentliche über diesen eigenartigen Ort. 1915 wurde hier zufällig der erste Opal gefunden und ab dann buddelte man, was das Zeug hielt. Heute kommen 90% der weißen Opale aus Coober Pedy. 


Das ganze Jahr über herrscht hier eine unglaubliche Hitze. Da haben die Menschen ihren Arbeitsort mit dem Wohnort verbunden und sich in die Erde eingegraben. Hotels, Restaurants, Kirchen … alles unterirdisch! 


Man konnte nicht unbegrenzt Minengruben eröffnen oder erweitern, aber sein Wohnhaus durfte man schon vergrößern. Und so wird z. B. von einem Mann berichtet, der seine Wohnung auf 20 Schlafzimmer ausbaute (er wohnte alleine). Klar, dass er in diesen Schlafzimmern auch nach Opalen grub.


Der gesamte Ort ist durchsetzt mit kleinen Hügeln, aus denen Schornsteine herausragen. 


Schilder warnen vor den Gefahren, unaufmerksam durch den Ort zu gehen. 


Überirdisch scheint das Dorf fast ausgestorben, wenn nicht die Aborigines auf den Straßen sitzen und liegen würden, aber unter der Erde ist die Stadt mehr als aktiv. Mit einem alten Opal – Miner unterhalten wir uns. Er weiß, dass das Schürfen der Opale immer weniger wird, denn die junge Generation wandert ab in die Städte und möchte nicht mehr das Leben unter der Erde verbringen.
Welche Hobbies kann man hier ausüben? Essen und Trinken UND GOLFSPIELEN. Ja, hier ist ein Golfplatz – ohne Gras – aber am Abschlag liegt eine Teppichfliese mit Kunstrasen. Das ist eine Neuerung. Bis vor kurzem trugen die Spieler ein Stück Rasen unterm Arm von Abschlag zu Abschlag.
Thema „Aborigines“: das ist wirklich eine traurige/ ernste/ nachdenkliche Geschichte. Um wieder den Opal – Miner zu zitieren: „wir geben uns Mühe, ihnen Bildung zu geben, ihnen Häuser zu geben, aber sie bevorzugen das Nichtstun. Sie sitzen tagsüber herum, sparen ihre Energie wie die Kängurus, damit sie nachts spazieren gehen können.“ Tja, wer will sagen, welche Kultur die richtige ist? Aber das würde jetzt zu weit führen. Wir machen uns unsere Gedanken dazu. Es ist traurig anzusehen, wie diese älteste Kultur der Menschheit zu verkommen scheint.
In diesen Zusammenhang passt auch die Aussage eines Polizisten vor einer Wein- und Bierhandlung: „Alles Übel beginnt hier!“ Wir hatten ihn gefragt, warum 3 Polizisten den Eingang bewachen und die Aborigines beim Ausgang kontrollieren. Der Alkohol!!! Einem Miner setzte man nach seinem Tod ein Denkmal mit seinem Lieblingsgetränk auf sein Grab.


Durch faszinierende Wüstenlandschaft, die immer auch eine Überraschung wie, z.B. einen Salzsee:


(letztes Relikt aus der Zeit, als Australien noch vom Meer bedeckt war) oder einen Adler bereithält, sind wir in Alice Springs. 


Ursprünglich geplant als Telegrafen Station, ist es jetzt eine blühende Stadt mitten im Outback.
Und hier gibt es so viele interessante Dinge zu entdecken. Wir konzentrieren uns allerdings auf zwei: die „School of the Air“ und die „Flying Doctors“. 


Beide Institutionen haben wir zwar schon einmal gesehen, aber davon kennt man sie ja noch nicht. John Flynn, ein Pastor, sah bei seinem Dienst im Outback die Notwendigkeit, den Menschen ein Gefühl von Sicherheit zu geben. Er war der erste, der 1917 darüber nachdachte, die sich entwickelnde Technologie zu nutzen, um den Menschen, die damals in unerreichbar scheinenden Gebieten lebten, eine medizinische Versorgung zu ermöglichen. Und da war es eine Frage von logistischer Organisation bis dieser „Sicherheitsmantel“ geschaffen war. Zusammen mit der Fluglinie Qantas konnten nun Ärzte zum Patienten kommen, die sonst wegen normalerweise nicht todbringender Krankheiten verstorben wären. Zunächst mal dienten die Flüge nur dem Krankentransport. Inzwischen gibt es aber regelrecht fliegende Intensivstationen. Im Besucherzentrum bekommen wir beeindruckende Informationen zu den Royal Flying Doctors.
Es gäbe so viel Spannendes zu diesem Kapitel zu schreiben, aber dann würde dieser Bericht ja noch länger!:))
Genauso geht es uns auch in der „School of the Air“, dem größten Klassenzimmer der Welt. 


Eine Fläche, die 3,5 Mal so groß ist wie Deutschland, umfasst das Einzugsgebiet der Kinder, die zur School oft he Air in Alice Springs gehören. 4 Mal im Jahr kommen die Kinder zu jeweils einwöchigen Treffen zusammen, damit sie auch das Gefühl von Klassengemeinschaft haben. Abgesehen davon kennen sich die Kinder nur über den Lautsprecher des PCs. Die Klassenlehrer besuchen einmal im Jahr ihre Schüler und nehmen dabei Fahrten von bis zu 2000 km auf sich. Aber – die Kinder müssen nicht ihre gewohnte Umgebung verlassen und kommen trotzdem in den Genuss einer guten Schulbildung – zumindest bis sie in die Oberstufe kommen. Wir nehmen an einer Unterrichtsstunde teil und ich hätte nicht schlecht Lust, sofort hier einzusteigen – es ist Musikunterricht!
Uns drängt es aber weiter. 5 Stunden mit dem Auto durch die heiße Wüste Australiens, dann sind wir da! Am Uluru! Dem Wahrzeichen von Australien. Und dieser Berg nimmt uns gefangen. Man möchte immer nur hinsehen, denn er ändert im Minutentakt seine Farbe. Aber der Höhepunkt ist wohl erreicht, wenn er beim Sonnenuntergang anfängt zu leuchten. 


Kein Wunder, dass hier der heiligste Ort der Aborigines ist. Und wie gut, dass die australische Regierung zugestimmt hat, den Berg ab Oktober 2019 für Besteigungen dauerhaft zu schließen, denn darum haben die Indigenous People lange genug gebeten. Der Respekt vor der Religion reichte da leider nicht aus. 


Erst Gesetze können hier etwas ändern!
Und wir verabschieden uns jetzt aus der Mitte und ziehen weiter an die Westküste Australiens. Perth ist unser nächstes Ziel. Macht es gut alle zusammen!